ADHD oder Autismus?

ADHD oder Autismus

Auch Diagnosen, die im Zusammenhang mit Problemen beim Schreiben, Lesen oder Rechnen erstellt werden, sind anscheinend Modetrends unterworfen.

War es in der Vergangenheit eine Tatsache, dass zahlreiche legasthene oder dyskalkule Kinder wegen der Ähnlichkeit der Erscheinungsformen als ADHD-Kinder (Attention Deficit Hyperactivity Disorder) diagnostiziert worden sind, mehren sich in der letzten Zeit Fälle, in denen die Diagnose Autismus durch Spezialisten der Gesundheitsebene erstellt wird. Eltern und Lehrer sprechen sogar schon von einer „Massendiagnose“ dieser Art. ADHD ist inzwischen eher „out“, so der Tenor.

Legasthene und dyskalkule Kinder sind zeitweise beim Schreiben, Lesen oder Rechnen unaufmerksam und unruhig, was Spezialisten der Gesundheitsebene nicht selten dazu veranlasst, die Diagnose ADHD zu stellen. Schlimmstenfalls bekommen die Kinder auch Medikamente verordnet. Und in solchen Fällen ist die Toleranzgrenze erreicht! Diese Spezialisten „übersehen“ bei all ihren Testverfahren definitiv, dass viele Kinder nur zeitweise von dieser Symptomatik betroffen sind und sich die Symptome nur dann zeigen, wenn sie schreiben, lesen oder rechnen. Kinder mit dem Krankheitsbild ADHD hingegen zeigen die Verhaltensformen bei all ihren Tätigkeiten und beginnen damit nicht erst mit der Einschulung oder etwas später, wenn legasthene oder dyskalkule Kinder in der Schule nicht das leisten, was von ihnen erwartet wird.

Nun aber werden legasthene oder dyskalkule Kinder auch als Autisten diagnostiziert! Der Grund, warum Spezialisten der Gesundheitsebene wohl meinen, dass die Kinder autistisch seien, dürfte darin liegen, dass diese Kinder Ordnung und Rituale mögen und sich auch völlig einer Sache, die sie interessiert, widmen können und dabei die Umwelt völlig vergessen. Wiederum wird allerdings „übersehen“, dass das legasthene oder dyskalkule Kind sich ansonsten in keinster Weise so verhält, wie man es von Autisten erwartet.

Der gesamte Umstand, dass Kinder, die lediglich eine besondere Informationsverarbeitung und damit verbunden eine besondere Lernfähigkeit haben und deshalb beim Schreiben, Lesen und Rechnen mit Standardmethoden nicht als Auslangen finden, zu Kindern mit Krankheitsbildern gemacht werden, ist mehr als besorgniserregend und endet nicht selten für die Eltern und Kinder mit einer Katastrophe.

Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass Diagnosen erst erstellt werden, wenn sich Spezialisten ein Gesamtbild eines Kindes gemacht haben!

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Legasthenie oder Dyskalkulie ist keine Krankheit oder Behinderung!

Vorausschickend, eine Legasthenie oder eine Dyskalkulie ist weder eine Krankheit noch eine Behinderung, sie wird vielmehr durch eine differente Wahrnehmung eines Menschen hervorgerufen. Einfach gesagt, empfinden, sehen und hören legasthene/dyskalkule Menschen ein bisschen anders als andere. Die Erscheinungsform dieser anderen Wahrnehmung ist es aber, die zu den Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen führt und die Menschen, welche nicht mit diesem Problem vertraut sind, glauben lässt, dass es sich deshalb, um es vorsichtig auszudrücken, um einen minderbegabten Menschen handelt. 

Legasthenie-Dyskalkulie

Was soll man auch von jemandem halten, dem man mindestens schon zwanzig Mal ein einziges Wort beizubringen versucht hat? Der es einige Male richtig schreibt, dann aber wieder fehlerhaft? So jemanden für idiotisch zu erklären, fällt natürlich leichter, als sich über die Hintergründe zu informieren. Dies passiert auch dann meistens nicht, wenn man sehr wohl merkt, dass der Mensch, den man vor sich hat, oft überdurchschnittlich gute Gedankengänge hat.

Er verfügt offensichtlich über außergewöhnlich gute technische Ideen, ist unglaublich kreativ, hat eine hohe Auffassungsgabe, eine oftmals schier unglaubliche Merkfähigkeit, man denke nur an die Lesebücher, die mühelos auswendig gelernt werden. Leider wird in unserer Gesellschaft hundertmal mehr auf die Kulturtechniken des Lesens, des Schreibens oder des Rechnens Wert gelegt anstatt auf andere Talente. Dabei, seien wir doch ehrlich, wer ist denn schon in der deutschen Rechtschreibung nach der Reform und der Reform der Reform wirklich noch perfekt?

Wir täten gut daran, die besonderen Qualitäten der Betroffenen zu erkennen und nicht ständig auf den Fehlern herumzuhacken. Sie vor allem zu fördern, ihnen aber auch mental dabei zu helfen, über die Hürden der Kulturtechniken leichter hinwegzukommen, dies wäre wohl besonders wichtig. Hatte die Ansage hundert Wörter und gab es acht Fehler, wurden dann nicht zweiundneunzig richtig geschrieben?

Aber besonders die Rechtschreibung, oder auch Richtigschreibung genannt, ist für manche eine heilige Kuh und das Beurteilungskriterium für die Intelligenz eines Menschen schlechthin. Ein wenig engstirnig, oder? Tatsächlich haben Schreib-, Lese- oder Rechenkenntnisse absolut nichts mit der tatsächlichen Intelligenz eines Menschen zu tun. Dafür gibt es unzählige Beispiele.

Wobei natürlich damit nicht in Zweifel gezogen werden sollte, dass die Kenntnis von grundlegenden Schreib-, Lese- oder Rechenkenntnissen im gesamten Leben hilfreich ist und deshalb erlernt werden sollte. Doch ist es abzulehnen, diese Kenntnisse als Maßstab für den Wert eines Menschen herzunehmen, was tatsächlich so oft passiert.

Wir würden viele tolle Talente nicht verschwenden, wie es zur Zeit der Fall ist, sondern für unsere Gesellschaft nützen. Wie lange können wir es uns denn noch leisten, solche Talente zu verheizen? Tatsache ist, dass Legasthenie oder Dyskalkulie nicht sichtbar ist. Alles, was der Mensch nicht sehen kann, wird oft in Zweifel gezogen.

Wir haben für sprachbehinderte, für seh- oder hörbehinderte Kinder in unserem Schulsystem bestens vorgesorgt. Sie bekommen eine spezielle Förderung. Obwohl die differente Wahrnehmung nicht als Behinderung anzusehen ist, bräuchten diese Kinder in der Schule auch einen speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Unterricht. Ihr Pech ist es nur, dass sich die Symptomatik bei ihnen lediglich in ihren Fehlern beim Lesen, Schreiben oder Rechnen widerspiegelt. Ihre speziellen Bedürfnisse werden nicht erkannt. Mit Vorurteilen, wie „Das Kind übt zu wenig!“ oder „Es ist einfach zu dumm, sich das von ihm Geforderte zu merken!“ oder „Einfach schlampig!”, ist man schnell bei der Hand. So mancher Lehrer konnte Eltern schon glaubhaft machen, dass sie eben ein „schwaches“ Kind haben.

So wird versucht, ihnen durch mühsames, vermehrtes Üben zu helfen. Diese Maßnahmen verursachen aber nur noch mehr Probleme, vor allem psychische, da man damit dem Kind ständig vor Augen führt, was es nicht kann, bzw. vom Kind etwas verlangt, das es nicht leisten kann. Vermehrtes Üben allein hat bei legasthenen oder dyskalkulen Kindern noch nie zum gewünschten Erfolg geführt.

BEITRAG AUS “DER LEGASTHENE MENSCH”   ISBN 978-3-902657-08-4 KLL VERLAG  2010

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Zur pädagogischen Definition für Schreib-, Lese- und Rechenprobleme bzw. Legasthenie und Dyskalkulie

Einheitliche allgemein gültige Definitionen, welche die verschiedenen Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme ausreichend beschreiben würden, gibt es bis heute nicht.

Pädagogische Definition für Schreib-, Lese- und Rechenprobleme bzw. Legasthenie und Dyskalkulie:

„Ein legasthener/dyskalkuler Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene/dyskalkule Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens.“ 

Dr. Astrid Kopp-Duller, 1995

Legasthenie ist wohl ein wesentlich umfassenderes, komplizierteres, komplexeres Gebiet als das Wort auszudrücken vermag.

„Legasthene und dyskalkule Menschen haben eine besondere Informationsverarbeitung und dadurch bedingt eine besondere Lernfähigkeit, welche an die pädagogisch-didaktische Interventionsebene hohe Anforderungen stellt.“

Dr. Astrid Kopp-Duller, 2005

Frau Dr. Schenk-Danzinger hat immerhin in ihrer Definition, die auch heute noch richtungsweisend ist, zusätzlich zu den Leseproblemen Schreibprobleme miteinbezogen, doch liegt auch bei genetisch bedingten Rechenproblemen die gleiche differente Wahrnehmung eines Menschen zu Grunde. Warum es sich einmal im Lese- oder/und Schreibbereich auswirkt, dann wieder im Rechenbereich, vermag wohl niemand mit Sicherheit zu sagen. Tatsache ist aber, dass alles, was für Kinder mit Legasthenie gilt, auch für jene mit Dyskalkulie gilt.

Die differente Aufmerksamkeit und differenten Funktionen oder Teilleistungen, sogenannte Sinneswahrnehmungsleistungen, lassen Fehler beim Schreiben, Lesen oder Rechnen entstehen.

“Der Name Legasthenie ist nicht sehr glücklich gewählt!“ oder “Legasthenie gibt es ja gar nicht“. Solche und noch andere eigenartige Aussprüche kann man da und dort immer wieder hören. Zumeist steckt lediglich Unwissenheit oder auch Hilflosigkeit gegenüber dem Problem, mit Betroffenen nicht erfolgreich umgehen zu können, dahinter.

Aber wie schon William Shakespeare in seinem weltberühmten Drama „Romeo und Julia“ sinngemäß sagte, „… wie immer die Rose auch heißen würde, es vermag nichts daran zu ändern, dass sie wundervoll duftet …“.

Tatsache ist, dass die Problematik existiert, dass es Menschen gibt, die das Schreiben, Lesen oder Rechnen, trotz ausreichender Intelligenz, nicht oder nur sehr langsam, mit größter Mühe, erlernen können. Wie man aber die Problematik benennt, ist tatsächlich eine andere Sache. Erleichternd für alle, die damit zu tun haben, wäre natürlich, wenn es einheitliche und allgemein gültige Definitionen geben würde.

Da die Verursachungen von und auch die Hilfestellungen bei Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen unterschiedlich sein können, ist es angebracht, auch unterschiedliche Begriffe zu verwenden. So werden Schreib- und Leseprobleme, welche eine genetische Verursachung haben, als Legasthenie, erworbene als Lese-Rechtschreibschwäche bezeichnet. Gleichfalls werden Rechenprobleme, welche eine genetische Verursachung haben, als Dyskalkulie, erworbene als Rechenschwäche bezeichnet. Auf die notwendigen unterschiedlichen Förderansätze wird noch eingegangen werden.

Aber zurück zu Shakespeare. Mit Drama allerdings hat das Wort Legasthenie tatsächlich etwas gemein, aber auch mit der Rose. Legasthenie ist eine Gabe, kann aber auch ein ganz besonders schlimmer Klumpfuß für den Betroffenen und seine Umgebung sein.

Obwohl man schon seit zirka 120 Jahren wissenschaftlich diesem Phänomen auf den Grund zu gehen versucht, ist es aber leider immer noch für viel zu viele Menschen ein Wort, das in ihrem Sprachschatz nicht vorkommt bzw. von dem sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, auch wenn sie direkt oder indirekt davon betroffen sind.

Betrachtet man heute die Entwicklung der Forschung, so fällt auf, dass es ein ewiges Hin und Her war. Von Bemühungen, herauszufinden, was die Ursachen sind, bis hin zur versuchten Zerstörung des Erforschten, alles kann man finden.

Dienlich waren der Legasthenieforschung, als diese sehr weit gediehen war, jene Pseudogelehrten gerade nicht, die plötzlich behaupteten, so etwas wie Legasthenie gäbe es nur in den Köpfen reicher Leute, die diese Bezeichnung als Ausrede für ihre dummen Kinder gebrauchten. Die Folge war eine große Verunsicherung vor allem bei Pädagogen oder Lehrern, die ja unmittelbar mit diesen besonderen Kindern in der Klasse zu tun hatten oder haben.

Und besondere Kinder sind legasthene oder dyskalkule Kinder allemal, das lässt sich tatsächlich behaupten, je mehr man mit diesen zu tun hat. Wenn man dann schon mit so vielen sehr eng zusammengearbeitet hat, wird die Bewunderung für ihre besondere Wahrnehmung und ihre umfassende Denkweise immer größer.

Trotzdem kann man im Zusammenhang mit Legasthenie von einer Problematik sprechen. Meistens werden diese hochbegabten Kinder von ihrer Umwelt völlig falsch verstanden, und dies führt nicht selten früher oder später zu großen Problemen innerhalb der Familie, aber auch vor allem in der Schule. Anfangs kann man bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie nie von einem Krankheitsbild sprechen. Die Beobachtung zeigt, dass das Kind mit einer Primärlegasthenie oder -dyskalkulie (als Primärlegasthenie oder -dyskalkulie bezeichnet man die Problematik, wenn ein intelligenter Mensch das Schreiben, Lesen oder Rechnen mit den üblichen Schulmethoden nicht oder nur sehr langsam erlernt, ohne dass psychische oder physische Auffälligkeiten daran beteiligt sind oder sogar verursachend sind), wenn es auf gute Voraussetzungen trifft – z.B. auf einen Pädagogen, und auf den trifft es immer vor dem Psychologen oder dem Psychiater, welcher sich des Problems der Legasthenie oder Dyskalkulie bewusst ist und den Anforderungen des Kindes Genüge tut – nie zu einem Problemkind wird. Leider ist die Praxis eine andere.

Oftmals hat unsere Gesellschaft verhaltensauffällige Kinder geschaffen, für die sich aber keiner mehr zuständig fühlt. Hat man einer Legasthenie oder einer Dyskalkulie ein psychisches Problem aufgepflanzt, ist dieses wesentlich schwieriger zu bewältigen als die Legasthenie oder Dyskalkulie selbst. Dabei wäre es so leicht, auch diesen Kindern das Lesen, Schreiben oder Rechnen beizubringen. Denn wer behauptet, legasthenen oder dyskalkulen Kindern könnte man diese Kulturtechniken nicht beibringen, der irrt. Sie bräuchten nur Lehrmethoden, die ihrer besonderen Lernfähigkeit entgegenkommen, die ihnen z.B. alles bildlich und dreidimensional bringen, mehr Vertiefung als gewöhnlich, mehr Zeit und viel Lob.

Um nochmals auf den Begriff Legasthenie zurückzukommen, soll hier nur dazu bemerkt werden, dass mit diesem Ausdruck, mit dieser Bezeichnung, nicht die umfassende Problematik dieses Phänomens bedacht wird. Da es aber existiert, und wie immer man dies auch nennen möchte, ob differente Wahrnehmung, Lernstörung, Teilleistungsprobleme, um nur einige zu nennen, so ist doch immer das Problem eines Menschen damit gemeint, der es verdient, von uns anderen 85% der Menschen verstanden zu werden, und der schließlich auch ein Recht darauf hat.

Wichtig wäre es, doch davon Abstand zu nehmen, bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie ohne Sekundärproblematik, der sogenannten Primärlegasthenie oder -dyskalkulie – es verstärken keine psychischen oder physischen Probleme die genetische Veranlagung, lediglich verlangen diese Menschen beim Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens nach einer auf ihre besondere Lernfähigkeit abgestimmten Methodik – ständig von Störung, Schwäche, Krankheit oder gar Behinderung zu sprechen. Eine nicht rechtzeitig erkannte Legasthenie oder Dyskalkulie und die damit zusammenhängende ständige schulische Überforderung kann auch zu Sekundärproblemen führen. 15 Prozent der Weltbevölkerung als „schwach“ oder „gestört“ zu bezeichnen, ist nicht legitim und äußerst vermessen.

BEITRAG AUS „DER LEGASTHENE MENSCH“   ISBN 978-3-902657-08-4 KLL VERLAG MÄRZ 2010

 

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Der ICD-10 oder wo das Unheil für viele legasthene/LRS/dyskalkule Kinder beginnt…

Der ICD10 ist eine internationale Klassifikation von Diagnosen für den medizinischen Bereich. Gemäß der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen wird zwischen der Lese-Rechtschreibstörung (F81.0), der isolierten Rechtschreibstörung (F81.1) und einer kombinierten Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3) unterschieden.

Es ist irreführend für Uninformierte und gleichzeitig in der allgemeinen Arbeit mit betroffenen Kindern sehr hinderlich, dass die Legasthenie, die LRS und die Dyskalkulie im ICD 10 von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheiten definiert werden. 15% der Weltbevölkerung haben beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens Probleme und sind deshalb aber nicht schwach, gestört, krank oder gar behindert.

Die ICD-10 Formulierung ist tatsächlich nicht nur eine unzureichende für die Problematik, weil sie die pädagogische Notwendigkeit der Intervention völlig außer Acht lässt, sondern grundsätzlich eine sehr unglückliche, weil sie von vorn herein ausschließt, dass es auch Kinder gibt, die beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens mit den üblichen in der Schule angebotenen Methoden nicht das Auslangen finden und trotzdem nicht schwach, gestört, krank oder behindert sind. Dazu muss man wissen, dass kein Pädagoge seinerzeit mitgearbeitet hat oder auch nur befragt wurde, als Probleme beim Erlernen des Schreibens, Lesens und/oder Rechnens als Krankheiten definiert worden sind. Deshalb zielt auch heute noch alles auf Schwäche, Störung und Krankheit hin, weil nur Psychologen und Mediziner sich zu der Thematik geäußert haben. Darunter haben noch heute so viele Kinder zu leiden. Viele Kinder erhalten auch deshalb keine oder viel zu späte Hilfe, weil die Eltern befürchten, dass ihr Kind schwach, gestört, krank oder behindert ist, nur weil es mit den üblich angebotenen Methoden Schwierigkeiten beim Schreiben, Lesen oder Rechnen hat und deshalb werden keine Maßnahmen ergriffen.

Tatsächlich zahlt für die pädagogisch-didaktischen Interventionen im Falle einer Primärlegasthenie, das ist eine Legasthenie ohne Sekundärerscheinungen, keine Krankenkasse in Deutschland oder Österreich. Bezahlt wird erst dann, wenn das Kind psychische Auffälligkeiten bekommen hat, weil die Umgebung nicht rechtzeitig eingeschritten ist und erkannt hat, dass spezielle pädagogisch-didaktische Hilfe notwendig ist, um das Schreiben, Lesen und Rechnen zu erlernen. Dann werden aber auch nicht pädagogisch-didaktische Schritte bezahlt, sondern nur der Psychologe oder Mediziner. Bewusst wird nun hoffentlich, welche großen Hürden noch zu überwinden sein werden, damit die Kinder tatsächlich nicht nur rechtzeitig erkannt, sondern auch so gefördert werden, wie sie es benötigen. Gegen eine Veränderung aber laufen gewisse Interessensgruppen Sturm, denn sie wollen die über lange Zeit gesicherten Pfründe nicht so einfach aus den Händen geben.
Tatsächlich ist die Legasthenie selbst keine Krankheit, mit ihr können aber natürlich Krankheiten einhergehen, nicht nur seelische, sondern auch physische. Die Praxis zeigt aber, dass es tatsächlich viele Kinder gibt, die keine weiteren psychischen oder physischen Probleme aufweisen, als dass sie gezielte Hilfe auf pädagogisch-didaktischer Basis benötigen und die gehören sicherlich nicht in die Hände von Psychologen oder Medizinern, sondern in die von gezielt geschulten Pädagogen. Um eine Tatsache werden wir auch in Zukunft nicht herum kommen, nämlich, dass keine psychologische oder medizinische Intervention den Kindern tatsächlich das Schreiben, Lesen oder Rechnen vermitteln wird können.

Es ist notwendig immer wieder zu erklären, dass die pädagogisch-didaktische Ebene so wichtig für Kinder ist, die eine Legasthenie, LRS oder Dyskalkulie haben, um anhaltende Erfolge zu erzielen, weil den meisten Menschen dies gar nicht bewusst ist. Dazu kann nur ein Pädagoge beitragen, kein Psychologe oder Mediziner kann auf diesem Gebiet das leisten, was das Kind benötigt.

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Menschen mit Schreib- oder Leseproblemen benötigen keine Therapeuten!

Das Wort Therapeut im Zusammenhang mit pädagogischen Interventionen bei Legasthenie/LRS/Dyskalkulie ist abzulehnen!

Diplomierte Legasthenietrainer arbeiten auf pädagogisch-didaktischer Basis. Eltern werden durch die Bezeichnungen, wie Lese- Rechtschreibtherapeut, Dyslexietherapeut, Lerntherapeut, etc. verunsichert und glauben, sie haben ein krankes oder gestörtes Kind. Gesundheitsberufe haben als Interventionsebene nur dann ihre Berechtigung, wenn das Kind psychische oder physische Sekundärproblematiken aufweist. Psychologen und Ärzte klammern sich aber nach wie vor an die Formulierung des ICD-10 der WHO, wo Schreib- und Leseprobleme als Krankheit beschrieben werden und lassen die vorrangige Notwendigkeit der pädagogisch-didaktischen Interventionen bei einer Legasthenie/LRS/Dyskalkulie nur sehr ungern gelten. Allerdings hat noch keine Krankenkasse Interventionen auf dieser Ebene bezahlt. Tatsache ist aber, dass Therapien durch Gesundheitsberufe ohne die gezielte Hilfe eines Pädagogen allerdings nie zum gewünschten Erfolg führen.

Eine diplomierte Legasthenietrainerin schrieb so treffend:

“Die ICD 10 Formulierung ist ja eine sehr unglückliche. Man muss wissen, dass kein Pädagoge seinerzeit mitgearbeitet hat, als dieser erstellt worden ist. Deshalb zielt auch alles auf Schwäche, Störung und Krankheit hin, weil nur Psychologen und Mediziner gehört wurden. Darunter haben noch heute viele Kinder zu leiden.“

Bei Bezahlung von Förderungen durch diverse öffentliche Stellen geht man aber schon längere Zeit davon ab, legasthenen, LRS, dyskalkulen Kindern Hilfe nur von Gesundheitsberufen aus zu gewähren. Allerdings ist das Wissen der Beamten leider noch völlig unzureichend und wird auch durch Interventionen verschiedener Gesundheitsberufe, die offensichtlich um ihre Positionen fürchten, immer wieder verunsichert. Dabei sollte doch all unser Streben darauf hinzielen, den Betroffenen möglichst umfassend zu helfen. Wirtschaftliche Ängste oder andere sollten wirklich in den Hintergrund rücken!
Man muss dringend zwischen den Interventionsebenen unterscheiden, wenn man bei einem Kind eine Legasthenie vermutet. In erster Linie sollte immer der Spezialist, der auf pädagogisch-didaktischer Ebene die Feststellung und die Förderungen durchführt, herangezogen werden. Die Legasthenie selbst ist grundsätzlich keine Schwäche, Störung, Krankheit oder gar Behinderung. Diese Menschen – 15% der Weltbevölkerung sind davon betroffen – benötigen nur einen speziellen Weg, das Schreiben, Lesen und/oder Rechnen zu erlernen, denn sie finden mit dem herkömmlichen Angebot der Schule nicht das Auslangen. Lediglich legasthene Kinder, die zusätzliche echte psychische oder physische Störungen aufweisen, sollten bei einem Psychologen oder bei entsprechenden medizinischen Berufsgruppen (Mediziner, Logopäde, Ergotherapeut, etc.) vorgestellt werden. Denn nur wenn legasthen Kinder schwere psychische oder physische Probleme aufweisen, ist der Einsatz Gesundheitsberufen notwendig und gerechtfertigt. Ansonsten sollten Sie sich an einen Legastheniespezialisten, der die Sache von der päd.-did. Seite interveniert, wenden. Er wird den Betroffenen Wege zeigen, wie auch sie das Schreiben, Lesen und/oder Rechnen (Dyskalkulie) erlernen können.
Zahlreiche Gesundheitsberufsgruppen, sofern sie nicht eine Zusatzausbildung für dieses Spezialgebiet haben, so auch Psychologen, haben wenig bis keine Erfahrung von pädagogisch -didaktischen Intervention bei Legasthenie, sondern nur über die Behandlung der Sekundärproblematiken, die, erkennt man diese zu spät, sich z.B. im psychischen Bereich ausdrücken können. Auch bei der Diagnostik treten im psychologischen Bereich unabsehbare Probleme zu Tage, denn nicht selten wird von Psychologen für eine Feststellung der Legasthenie ein IQ-Test herangezogen oder auch diverse Lese-Rechtschreibtest durchgeführt. Beide Ansätze verursachen zu oft völlige Fehldiagnosen und sagen tatsächlich über eine Legasthenie nichts aus! IQ-Tests sind vielfach darauf ausgerichtet, dass mittels Sinneswahrnehmungsleistungen die Intelligenz festgestellt wird. Nur ein Beispiel dazu zum besseren Verständnis. Man legt einen Blinden Karten vor, er soll sie ordnen, kann er das nicht, weil er “blöd” ist oder weil er die Karten nicht sieht? Wobei der Blinde aber gegenüber dem legasthenen Menschen eine Problematik aufweist, die man als Mitmensch sofort bemerkt. Differente Sinneswahrnehmungen, die eine Legasthenie ausmachen, sieht man aber nicht. Wissenschaftlich spricht man bedauerlicher Weise nur dann von Legasthenie, wenn eine durchschnittliche oder überdurchschnittliche Intelligenz vorhanden ist. Man sollte aber der Intelligenz im Zusammenhang mit der Förderung wenig Gewicht einräumen, denn auch ein weniger intelligenter Mensch hat ein Recht auf Förderung!
Auch LRS-Tests sind bei legasthenen Kindern oftmals wenig aussagekräftig, weil diese Kinder unterschiedliche Tagesverfassungen zeigen, wenn sie schreiben oder lesen. So kann es gut passieren, dass ein legasthenes Kind heute einen LRST macht, wenig bis keine Fehler macht, was dann in keinster Weise auf gröbere Probleme schließen lässt. Analysiert man dagegen Lese- und Schreibleistungen von längeren Leistungszeiträumen, bekommt man ein völlig anderes Bild.

Viele Legasthenietrainer mussten in der Praxis erleben, dass es leider zu viele Fehldiagnosen von eifrigen Gesundheitsberufsgruppen gibt.
Zu wenig kommen noch immer Leute zu Wort, welche die so relevante Ebene der pädagogisch-didaktischen Intervention bei Legasthenie/LRS vertreten. Leider findet die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen bei weitem nicht ausreichend statt, was sehr zum Nachteil der Betroffenen gereicht. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, dass man immer wieder genau den Wirkungskreis der verschiedenen Spezialisten definiert und erklärt. Dann bleiben auch lange Irrwege, die so manch Betroffener und seine Familie beschreitet, erspart.

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Schnelle und praktische Hilfe ist notwendig

Der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie setzt Schwerpunkte, den Betroffenen zu helfen. Wir jammern nicht und verbrauchen unsere Arbeitskraft auch nicht damit, die Arbeit von anderen Personen oder Organisationen, die sich der Thematik widmen, zu kritisieren.

Wir stellen gemeinnützig Informations- und Arbeitsmaterialien gratis zur Verfügung und sorgen mit unserer qualitativ hochwertigen Ausbildung dafür, dass Spezialisten den Betroffenen speziell auf der so wichtigen pädagogisch-didaktischen Ebene helfen. Wir vertreten auch den Standpunkt, dass man unbedingt die verschiedenen Interventionsebenen erkennen und auseinanderhalten sollte, damit der Betroffene die Hilfe bekommt, die er auch benötigt. Die Hilfe bei Schreib-, Lese- und/oder Rechenproblemen muss in jedem Fall zuerst auf pädagogisch-didaktischer Ebene erfolgen. Wir lehnen eine Pathologisierung der Problematik ab. Nicht jedes legasthene Kind benötigt die Intervention durch Psychologen, Ärzte, etc.

Das Bundesministerium für Gesundheit und der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie sind der Meinung, dass man Spezialisten, die auf pädagogisch-didaktischer Ebene mit Betroffenen arbeiten, auf keinen Fall als Therapeuten zu bezeichnen sind.

Bundesministerium

Wir legen großen Wert darauf und gehen so konform mit der Ansicht des Bundesministeriums für Gesundheit, dass unsere Spezialisten, die Betroffenen helfen, das Schreiben und Lesen zu erlernen, nicht als Therapeuten bezeichnet werden sollten.

Diese Bezeichnung wäre irreführend und verunsichernd für Eltern, Betroffene und Lehrer, etc. und sollte ausschließlich Gesundheitsberufen vorbehalten bleiben, die legasthenen Kindern helfen, die etwaige Sekundärproblematiken, die sie im physischen oder psychischen Bereich aufweisen, zu bewältigen. Denn zurecht fragen sich Laien, wenn ein legasthenes Kind von einem Angehörigen eines Gesundheitsberufes therapiert wird, ob das Kind nun doch krank ist. Tatsächlich benötigen nur ein geringer Prozentsatz von legasthenen/dyskalkulen Kindern eine zusätzliche Hilfe durch Angehörige von Gesundheitsberufen.

Vorrangig bleibt immer die richtige Methode anzuwenden, damit ein Mensch das Schreiben, Lesen und Rechnen erlernt und das ist einzig und alleine die Aufgabe von Pädagogen.

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Über die diagnostischen Schwierigkeiten bei einem Verdacht auf Legasthenie und die oft so fatalen Folgen für die Betroffenen

Die hauptsächliche Schwierigkeit der Diagnostik liegt in den verschiedenen Feststellungs- und Interventionsebenen. Tatsächlich ist eine pädagogische immer!!! eine psychologisch/medizinische manchmal notwendig. Dies ist eben von Fall zu Fall verschieden.
Leider gibt es hier gar keine Richtlinien und die Betroffenen sind darauf angewiesen, auf welche Kompetenz sie bei den Pädagogen treffen. Nicht selten wird, auch von Pädagogen der Schluss gezogen, die Kinder schreiben und lesen deshalb schlecht, weil sie psychische Auffälligkeiten zeigen und schon ist der leider oft sehr verhängnisvolle Weg vorgezeichnet.

Dabei verhält sich die Sachlage vielfach genau umgekehrt. Die Kinder bekommen nicht die dringend benötigten pädagogisch-didaktischen Interventionen und zeigen deshalb mit der Zeit Verhaltensauffälligkeiten, weil ihre Toleranzgrenze mit Demütigungen, die von Unwissenden begangen werden, überschritten wurde. Der verhängnisvolle Weg beginnt damit, dass man zu oft gar nicht daran denkt, dem Kind auf pädagogisch-didaktischer Basis zu helfen, sondern sofort Psychologen und Mediziner konsultiert. Zumeist verfügt keiner der beiden Berufsgruppen über genügend pädagogisch-didaktisches Wissen oder über die Kompetenz den Kinder maßgeblich beim Schreiben und Lesen zu helfen. So wird nicht selten das Kind von einer zur anderen Therapie geschleppt, bekommt aber gerade in diesem Bereich keine Hilfe.

Die in Österreich und auch in Deutschland üblichen Feststellungsverfahren führen sich zuweilen schwer ad absurdum, denn nicht selten versucht man z.B. mittels IQ-Tests eine Legasthenie festzustellen. Zahlreiche IQ Tests beruhen aber auf der Testung der Sinneswahrnehmungen. Der Zustand der Sinneswahrnehmungen wird zur Bewertung des IQ herangezogen, was natürlich gerade bei legasthenen Kindern – deren gesamte Problematik ja auf differenten Sinneswahrnehmungen beruht – zu völlig falschen Ergebnissen führt. Auch LRS Testverfahren sind zuweilen nur aussagekräftig bei LRS Kindern, versagen aber bei legasthenen Kinder nicht selten. Denn so manches legasthene Kind hat bei LRS Tests hervorragend abgeschnitten und wurde dadurch als nicht legasthen diagnostiziert. Analysiert man dagegen die schriftlichen Leistungen und Leseleistungen des selben Kindes über einen längeren Zeitraum, so ergibt dies ein völlig anderes Ergebnis, als es der LRS Test brachte. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass legasthene Kinder zeitweise sehr gute Leistungen sogar beim Schreiben und Lesen erbringen können.

Zum Glück geht der Trend aber in die Richtung, dass informierte Eltern immer öfter auch auf eine pädagogische Feststellung durch pädagogisch-didaktisch versierten Spezialisten bestehen. Für viele Kinder kommt dieser Trend jedoch zu spät…

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