ADHD oder Autismus?

ADHD oder Autismus

Auch Diagnosen, die im Zusammenhang mit Problemen beim Schreiben, Lesen oder Rechnen erstellt werden, sind anscheinend Modetrends unterworfen.

War es in der Vergangenheit eine Tatsache, dass zahlreiche legasthene oder dyskalkule Kinder wegen der Ähnlichkeit der Erscheinungsformen als ADHD-Kinder (Attention Deficit Hyperactivity Disorder) diagnostiziert worden sind, mehren sich in der letzten Zeit Fälle, in denen die Diagnose Autismus durch Spezialisten der Gesundheitsebene erstellt wird. Eltern und Lehrer sprechen sogar schon von einer „Massendiagnose“ dieser Art. ADHD ist inzwischen eher „out“, so der Tenor.

Legasthene und dyskalkule Kinder sind zeitweise beim Schreiben, Lesen oder Rechnen unaufmerksam und unruhig, was Spezialisten der Gesundheitsebene nicht selten dazu veranlasst, die Diagnose ADHD zu stellen. Schlimmstenfalls bekommen die Kinder auch Medikamente verordnet. Und in solchen Fällen ist die Toleranzgrenze erreicht! Diese Spezialisten „übersehen“ bei all ihren Testverfahren definitiv, dass viele Kinder nur zeitweise von dieser Symptomatik betroffen sind und sich die Symptome nur dann zeigen, wenn sie schreiben, lesen oder rechnen. Kinder mit dem Krankheitsbild ADHD hingegen zeigen die Verhaltensformen bei all ihren Tätigkeiten und beginnen damit nicht erst mit der Einschulung oder etwas später, wenn legasthene oder dyskalkule Kinder in der Schule nicht das leisten, was von ihnen erwartet wird.

Nun aber werden legasthene oder dyskalkule Kinder auch als Autisten diagnostiziert! Der Grund, warum Spezialisten der Gesundheitsebene wohl meinen, dass die Kinder autistisch seien, dürfte darin liegen, dass diese Kinder Ordnung und Rituale mögen und sich auch völlig einer Sache, die sie interessiert, widmen können und dabei die Umwelt völlig vergessen. Wiederum wird allerdings „übersehen“, dass das legasthene oder dyskalkule Kind sich ansonsten in keinster Weise so verhält, wie man es von Autisten erwartet.

Der gesamte Umstand, dass Kinder, die lediglich eine besondere Informationsverarbeitung und damit verbunden eine besondere Lernfähigkeit haben und deshalb beim Schreiben, Lesen und Rechnen mit Standardmethoden nicht als Auslangen finden, zu Kindern mit Krankheitsbildern gemacht werden, ist mehr als besorgniserregend und endet nicht selten für die Eltern und Kinder mit einer Katastrophe.

Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass Diagnosen erst erstellt werden, wenn sich Spezialisten ein Gesamtbild eines Kindes gemacht haben!

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Über die diagnostischen Schwierigkeiten bei einem Verdacht auf Legasthenie und die oft so fatalen Folgen für die Betroffenen

Die hauptsächliche Schwierigkeit der Diagnostik liegt in den verschiedenen Feststellungs- und Interventionsebenen. Tatsächlich ist eine pädagogische immer!!! eine psychologisch/medizinische manchmal notwendig. Dies ist eben von Fall zu Fall verschieden.
Leider gibt es hier gar keine Richtlinien und die Betroffenen sind darauf angewiesen, auf welche Kompetenz sie bei den Pädagogen treffen. Nicht selten wird, auch von Pädagogen der Schluss gezogen, die Kinder schreiben und lesen deshalb schlecht, weil sie psychische Auffälligkeiten zeigen und schon ist der leider oft sehr verhängnisvolle Weg vorgezeichnet.

Dabei verhält sich die Sachlage vielfach genau umgekehrt. Die Kinder bekommen nicht die dringend benötigten pädagogisch-didaktischen Interventionen und zeigen deshalb mit der Zeit Verhaltensauffälligkeiten, weil ihre Toleranzgrenze mit Demütigungen, die von Unwissenden begangen werden, überschritten wurde. Der verhängnisvolle Weg beginnt damit, dass man zu oft gar nicht daran denkt, dem Kind auf pädagogisch-didaktischer Basis zu helfen, sondern sofort Psychologen und Mediziner konsultiert. Zumeist verfügt keiner der beiden Berufsgruppen über genügend pädagogisch-didaktisches Wissen oder über die Kompetenz den Kinder maßgeblich beim Schreiben und Lesen zu helfen. So wird nicht selten das Kind von einer zur anderen Therapie geschleppt, bekommt aber gerade in diesem Bereich keine Hilfe.

Die in Österreich und auch in Deutschland üblichen Feststellungsverfahren führen sich zuweilen schwer ad absurdum, denn nicht selten versucht man z.B. mittels IQ-Tests eine Legasthenie festzustellen. Zahlreiche IQ Tests beruhen aber auf der Testung der Sinneswahrnehmungen. Der Zustand der Sinneswahrnehmungen wird zur Bewertung des IQ herangezogen, was natürlich gerade bei legasthenen Kindern – deren gesamte Problematik ja auf differenten Sinneswahrnehmungen beruht – zu völlig falschen Ergebnissen führt. Auch LRS Testverfahren sind zuweilen nur aussagekräftig bei LRS Kindern, versagen aber bei legasthenen Kinder nicht selten. Denn so manches legasthene Kind hat bei LRS Tests hervorragend abgeschnitten und wurde dadurch als nicht legasthen diagnostiziert. Analysiert man dagegen die schriftlichen Leistungen und Leseleistungen des selben Kindes über einen längeren Zeitraum, so ergibt dies ein völlig anderes Ergebnis, als es der LRS Test brachte. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass legasthene Kinder zeitweise sehr gute Leistungen sogar beim Schreiben und Lesen erbringen können.

Zum Glück geht der Trend aber in die Richtung, dass informierte Eltern immer öfter auch auf eine pädagogische Feststellung durch pädagogisch-didaktisch versierten Spezialisten bestehen. Für viele Kinder kommt dieser Trend jedoch zu spät…

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