Die Relevanz der pädagogischen Forschung

Forschung

Die pädagogische Forschung sucht nicht nach Ursachen, sondern nach Lösungen für Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme auf pädagogisch-didaktischer Ebene.

Von Pädagogen werden Sie keine Werke bezüglich Ursachenforschung finden. Es ist für die Problemlösung sehr wichtig, dass die pädagogische Forschung sich nach den Ursachen ausrichtet. Ein Beispiel dafür ist die Unterscheidung zwischen genetisch bedingten (Legasthenie) und psychisch oder physisch erworbenen (LRS) Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen, weil die Interventionen angepasst, also unterschiedlich sein müssen.

Grundsätzlich sieht die pädagogische Ebene natürlich Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme nicht als Störung, Krankheit oder Behinderung an. Tatsächlich ist den Problemen auch in überwiegender Anzahl der Fälle durch Interventionen auf pädagogisch-didaktischer Ebene ausreichend zu begegnen. Verbreitet ist jedoch die Definition durch die Gesundheitsberufe (ICD-10) als Krankheit, dadurch kommt der weit verbreitete Irrtum zustande, dass Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme in Krankhaftem ihre Ursache haben. Ein weiterer Irrtum ist, dass die Probleme nur durch vorhandene Krankheiten auftreten. Jedoch ist es in den meisten Fällen umgekehrt: Durch die Überforderung, die nicht erkannte Problematik und auch die nicht erfolgte Förderung kommt es schließlich tatsächlich zu psychischen Erkrankungen bei den Betroffenen. Dann werden in vielen Fällen Psychologen und Ärzte konsultiert und schließlich wird auf die pädagogisch-didaktische Förderung, die in jedem Fall erfolgen muss, „vergessen“. Speziell diese Pathologisierung spielt hier für die Betroffenen eine zumeist fatale Rolle.

Dass die pädagogische Forschung eine wesentliche Rolle spielt, damit Betroffenen eine individuelle Förderung auf pädagogisch-didaktischer Ebene zuteil wird, ist offensichtlich. Es sollte ein Bestreben sein, diese wissenschaftlichen Errungenschaften weiter zu verbreiten, damit die betroffenen Menschen davon profitieren. Der Kleinkrieg, der mitunter von den verschiedenen Berufsgruppen wie Pädagogen, Psychologen, Ärzten etc. geführt wird, ist bedauerlich und wenig förderlich für das Fortkommen von betroffenen Kindern und deren Umfeld. Andererseits ist gerade die pädogogisch-didaktische Ebene jener Faktor, der Fortschritte bewirkt. Man sollte darauf vertrauen, dass neue Generationen kommen werden, welche die Wertigkeit der pädagogisch-didaktischen Intervention besser und unvoreingenommener erkennen und praktizieren werden, und dass es schließlich zu einer tatsächlichen Kooperation der Berufsgruppen kommen wird, ohne Angst um die Relevanz der eigenen Position. Profitieren werden davon die Betroffenen.

Share Button

Mein Kind hat Schwierigkeiten beim Rechnen

kind_Mathematik

Wann kann man eine Dyskalkulie oder Rechenschwäche vermuten und wie kann man sie erkennen?

Zahlreiche Kinder haben mit dem Problem zu kämpfen, dass sie das Rechnen mit den standardisierten Schulmethoden und mit der gleichen Geschwindigkeit wie ihre Mitschüler nicht erlernen können. Die Gründe dafür können genetische sein, jedoch kann das Problem auch durch Vorkommnisse im Leben des Kindes erworben sein.

Bereits vor Schulbeginn gibt es Hinweise darauf, aber keine allgemeingültigen oder endgültigen, dass es beim Erlernen des Rechnens zu Problemen kommen könnte. Die Kinder zeigen kein Interesse an Zahlensymbolen, lehnen Spiele ab, bei denen gezählt werden muss, verwechseln richtungsweisende Bezeichnungen, können mit den Begriffen „klein“ oder „groß“ nichts anfangen, können den Wert des Geldes nicht erkennen etc.

Nach Schulbeginn verstärken sich die Anzeichen im direkten Umgang mit Zahlen und Rechenoperationen.

Der nachstehende Fragenkatalog soll Eltern bei der Entscheidung helfen, ob es angebracht ist, sich an einen Spezialisten zu wenden, der auf pädagogisch-didaktischer Ebene eine pädagogische Förderdiagnostik und in weiterer Folge eine Förderplanung sowie eine individuelle Förderung durchführt.

Das Kind

  • benötigt ungewöhnlich viel Zeit für Rechenoperationen und ist schnell erschöpft
  • erfasst Zahlenräume, Mengen, Größen, Formen, Distanzen schlecht, die notwendige Verbindung zwischen Zahlenbegriff und Menge fehlt
  • erkennt Rechensymbole wie Plus, Minus, Divisions- oder Multiplikationszeichen nicht immer korrekt
  • lässt Ziffern aus
  • verwechselt ähnlich klingende Zahlen wie z.B. 19 und 90
  • verdreht Zahlen wie z.B. 67 und 76
  • schreibt Zahlen seitenverkehrt, z.B. 6 und 9
  • verwechselt ähnlich aussehende Zahlen wie
    z.B. 6 und 5 oder 1 und 7
  • schreibt Zahlen inkorrekt ab
  • kann Zahlenreihen nicht fortführen
  • kann nicht rückwärtszählen
  • hat Schwierigkeiten bei Überschreiten des Zehner- und/oder Hunderterschrittes
  • kann beim Kopfrechnen die Zwischenergebnisse nicht speichern
  • hat Schwierigkeiten beim Erlernen des Einmaleins
  • hat mit Textaufgaben Probleme
  • hat kein Abschätzungsvermögen, rechnet z.B. 20 + 20 = 100
  • bemerkt nicht widersprüchliche Ergebnisse bzw. duldet sie
  • hat Schwierigkeiten bei räumlichen und/oder zeitlichen Abfolgen
  • hat eine generelle Regelunsicherheit
  • erzielt trotz intensiven Übens keine Fortschritte, Gelerntes wird schnell wieder vergessen.

Werden mindestens 5 Beobachtungen mit „Ja“ beantwortet, so kann man davon ausgehen, dass die Probleme des Kindes auf eine Dyskalkulie oder eine andere Rechenproblematik hinweisen. Eine rasche Hilfe ist notwendig, damit ein nachhaltiger Erfolg erzielt werden kann. Die Eltern sollten sich umgehend an Spezialisten wenden: z.B. an diplomierte DyskalkulietrainerInnen, die auf pädagogisch-didaktischer Ebene das Kind fördern.

Share Button

Schwerpunkt Sinne im Legasthenie- und Dyskalkulietraining

Kind lernt

Einen der Schwerpunkte im Zusammenhang mit dem Legasthenietraining stellt die sinnliche Wahrnehmung dar, deren physiologische Verarbeitung hier näher untersucht werden soll, um einen Einblick in den darauffolgenden Lernprozess zu gewähren, der als Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen dienen soll. All das, was die menschlichen Sinnesorgane an Informationen aufnehmen, landet zunächst im Gehirn, wobei die meisten Informationen nicht so interessant und wichtig sind, dass sie wirklich behalten, also im Gedächtnis gespeichert werden. Alle Informationen, die von den Sinnesorganen aufgenommen werden, landen über Nervenimpulse vorübergehend im so genannten Wahrnehmungsspeicher des Gehirns, der die erste Stufe der Speichermöglichkeiten darstellt.

Wenn das menschliche Individuum kein besonderes Interesse an diesen Informationen zeigt, so werden diese bereits nach zwanzig Sekunden wieder gelöscht, da sie als unwichtig beziehungsweise nicht speichernswert klassifiziert werden. Der Wahrnehmungsspeicher wird somit auch als Ultrakurzzeitgedächtnis bezeichnet, das für das menschliche Gehirn insofern als Schutzschild fungiert, als eine riesige Menge von Sinneseindrücken nicht dauerhaft gespeichert werden muss, was zu einer Überforderung führen könnte. Damit nun aber eine Information, die weitergegeben wird, im Langzeitgedächtnis eines Lernenden beziehungsweise eines Schülers gespeichert wird, muss sie das Interesse desjenigen wecken und Gefühle auslösen, die Lust auf das Lernen machen, indem sie vielleicht an schon Bekanntes oder an Erfahrungen des Schülers anknüpfen.

Durch ständiges Wiederholen und Einüben kann dieser Lernprozess vertieft werden, damit dem „Vergessen“ von Gelerntem vorgebeugt werden kann. Wie schon erwähnt, gehen die Informationen, die im Wahrnehmungsspeicher gelandet sind, nach etwa zwanzig Sekunden verloren und sind für immer vergessen, während das Kurzzeitgedächtnis Informationen im Minutenbereich speichert, bevor auch diese danach vergessen werden. Das Langzeitgedächtnis dagegen hebt die gesammelten Informationen langfristig, eventuell sogar für das ganze Leben auf. Allerdings ist nicht alles, was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird, gleich wichtig und deshalb auch nicht jederzeit abrufbar, sodass diese Informationen zu dem passiven Wissen gerechnet werden, das im Gegensatz zum aktiven Wissen nicht sofort aktivierbar ist. Für den Pädagogen ist es unter diesem Aspekt besonders wichtig, auch auf das passive Wissen des Schülers zurückzugreifen und es zu aktivieren.

Da es im Gehirn spezielle Kanäle für das Schreiben, Sprechen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken und Sehen gibt, kann der Schüler alle zur Verfügung stehenden Kanäle beim Lernen nutzen, um sich den Lernstoff gut einprägen zu können.

Jeder Schüler lernt bevorzugt über einen Kanal, wobei man in diesem Zusammenhang auch von unterschiedlichen Lerntypen sprechen kann. Der visuelle Lerntyp bevorzugt die Informationsaufnahme über das Sehen, während der auditive Lerntyp seine Informationen über das Hören und Sprechen speichert.

Vermutlich sind aber die meisten Menschen nicht eindeutig einem bestimmten Lerntyp zuzuordnen, sodass es für den Pädagogen wichtig erscheint, unterschiedliche Kanäle bei der Vermittlung von Lerninhalten zu nutzen, damit den Schülern das Lernen und dauerhafte Speichern leichterfällt. Außerdem besteht für den Pädagogen die Möglichkeit, über das so genannte gehirngerechte Lernen Einfluss auf den Lernerfolg zu nehmen.

Das Gehirn besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte, denen jeweils eine bestimmte Funktion zukommt. Während die linke Gehirnhälfte für digitale Funktionen zuständig ist, wie zum Beispiel für Zahlen, Sprache und Strukturen, so ist die rechte Gehirnhälfte für Bilder, Fantasie, Intuition und Gefühl zuständig. Obwohl zwischen beiden Gehirnhälften eine Verbindung besteht, nutzen viele Menschen aufgrund ihrer Tätigkeit oder ihrer Vorlieben meist nur den linken Teil des Gehirns. Als Pädagoge muss man davon ausgehen, sowohl rechts orientierte als auch links orientierte Schüler vor sich zu haben, sodass es wichtig ist, einen Lernstoff so zu vermitteln, dass er beide Gehirnhälften gleichermaßen anspricht. Werden also beispielsweise Daten und Fakten weitergegeben, sodass die linke Gehirnhälfte gefordert ist, so sollte gleichzeitig ein Beispiel oder ein Bild angeführt werden, das die rechte Gehirnhälfte aktiviert.

Ideale Lernbedingungen findet man also dann vor, wenn beide Gehirnhälften beim Lernprozess angesprochen werden. Gerade die zu wenig genutzte rechte Gehirnhälfte der Schüler erreicht man über konkrete Beispiele und Bilder, sodass durch die unterschiedliche Nutzung der Lernkanäle das Lernen erheblich leichterfällt und auch gehirngerecht funktionieren kann.

Um dem Schüler das Aufnehmen, Speichern und Verarbeiten der neuen Informationen zu erleichtern, sollte der Unterricht schwerpunktmäßig sinnvoll strukturiert sein, sodass der Lernstoff durch Visualisierung veranschaulicht wird und das Gelernte durch Wiederholungen vertieft werden kann.

Share Button

Grundsätzliches über Legasthenie und Dyskalkulie

Legasthenie LRS Dyskalkulie

Es ist eine sehr wichtige Grundlage für das Fortkommen von Kindern, die beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens in der Schule Probleme haben, dass das Umfeld – also vor allem die Eltern und Lehrer – Kenntnis über die vielseitige Thematik hat und die erforderlichen Schritte rechtzeitig einleitet.

Legasthene und dyskalkule Kinder haben eine besondere Informationsverarbeitung und damit verbunden eine besondere Lernfähigkeit. Sie finden mit den Standardmethoden in unseren Schulen nicht das Auslangen, um das Schreiben, Lesen oder Rechnen ausreichend zu erlernen, deshalb müssen ihnen andere Ansätze geboten werden. Mit einer individuellen gezielten Hilfe und genügend Zeit gelingt es zumeist, dass auch diese Kinder das Schreiben, Lesen oder Rechnen ausreichend erlernen. Betroffene Kinder, deren Probleme nicht rechtzeitig erkannt werden und denen deshalb auch nicht rechtzeitig geholfen wird, zeigen früher oder später psychische Auffälligkeiten.

In der gesamten Thematik stellt jener Umstand ein besonderes Problem dar, dass auch heute noch Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme nicht selten als Zeichen von Schwäche, Störung, Krankheit oder gar Behinderung angesehen und auch so gehandhabt werden. Tatsächlich gibt es auch erworbene Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme, die im Zusammenhang mit physischen oder psychischen Krankheiten entstehen, diese treten jedoch seltener auf.

Tatsache ist aber, dass in jedem Fall in erster Linie immer eine Hilfe auf pädagogisch-didaktischer Ebene erfolgen muss, wobei sich die Förderung von legasthenen und dyskalkulen Menschen, deren Problematik genbedingt ist, von den Hilfestellungen bei Schreib-, Lese- oder Rechenschwierigkeiten, die erworben sind, unterscheiden wird.

Die AFS-Methode (http://de.dyspedia.org/index.php/Hauptseite) wird den Anforderungen legasthener und dyskalkuler Menschen gerecht, weil die Förderung in allen Hauptbereichen erfolgt, in denen sich Schwierigkeiten ergeben. Neben der Aufmerksamkeitsfokussierung werden die Sinneswahrnehmungen, die man unbedingt zum Schreiben, Lesen und Rechnen benötigt, geschult und auch ein gezieltes Symptomtraining angeboten. Seit über 20 Jahren kommt diese umfassende und offene Methode durch diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer/innen weltweit sehr erfolgreich zur Anwendung.

Share Button

ADHD oder Autismus?

ADHD oder Autismus

Auch Diagnosen, die im Zusammenhang mit Problemen beim Schreiben, Lesen oder Rechnen erstellt werden, sind anscheinend Modetrends unterworfen.

War es in der Vergangenheit eine Tatsache, dass zahlreiche legasthene oder dyskalkule Kinder wegen der Ähnlichkeit der Erscheinungsformen als ADHD-Kinder (Attention Deficit Hyperactivity Disorder) diagnostiziert worden sind, mehren sich in der letzten Zeit Fälle, in denen die Diagnose Autismus durch Spezialisten der Gesundheitsebene erstellt wird. Eltern und Lehrer sprechen sogar schon von einer „Massendiagnose“ dieser Art. ADHD ist inzwischen eher „out“, so der Tenor.

Legasthene und dyskalkule Kinder sind zeitweise beim Schreiben, Lesen oder Rechnen unaufmerksam und unruhig, was Spezialisten der Gesundheitsebene nicht selten dazu veranlasst, die Diagnose ADHD zu stellen. Schlimmstenfalls bekommen die Kinder auch Medikamente verordnet. Und in solchen Fällen ist die Toleranzgrenze erreicht! Diese Spezialisten „übersehen“ bei all ihren Testverfahren definitiv, dass viele Kinder nur zeitweise von dieser Symptomatik betroffen sind und sich die Symptome nur dann zeigen, wenn sie schreiben, lesen oder rechnen. Kinder mit dem Krankheitsbild ADHD hingegen zeigen die Verhaltensformen bei all ihren Tätigkeiten und beginnen damit nicht erst mit der Einschulung oder etwas später, wenn legasthene oder dyskalkule Kinder in der Schule nicht das leisten, was von ihnen erwartet wird.

Nun aber werden legasthene oder dyskalkule Kinder auch als Autisten diagnostiziert! Der Grund, warum Spezialisten der Gesundheitsebene wohl meinen, dass die Kinder autistisch seien, dürfte darin liegen, dass diese Kinder Ordnung und Rituale mögen und sich auch völlig einer Sache, die sie interessiert, widmen können und dabei die Umwelt völlig vergessen. Wiederum wird allerdings „übersehen“, dass das legasthene oder dyskalkule Kind sich ansonsten in keinster Weise so verhält, wie man es von Autisten erwartet.

Der gesamte Umstand, dass Kinder, die lediglich eine besondere Informationsverarbeitung und damit verbunden eine besondere Lernfähigkeit haben und deshalb beim Schreiben, Lesen und Rechnen mit Standardmethoden nicht als Auslangen finden, zu Kindern mit Krankheitsbildern gemacht werden, ist mehr als besorgniserregend und endet nicht selten für die Eltern und Kinder mit einer Katastrophe.

Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass Diagnosen erst erstellt werden, wenn sich Spezialisten ein Gesamtbild eines Kindes gemacht haben!

Share Button

Das Phänomen der Dyskalkulie bewältigen

Kinder - Dyskalkulie nach der AFS-Methode

Wie schon erwähnt, hat sich gezeigt, dass auch ein Kind mit einer Dyskalkulie in drei wichtigen Bereichen Defizite hat, denen man unbedingt Aufmerksamkeit schenken sollte. Vor dem Training muss ein genaues Profil, ein Gesamtprofil, erstellt werden und eine Analyse der Fehlererscheinungen erfolgen. Dann tragen drei Schritte wesentlich zu einer erfolgreichen Förderung bei. Der erste Ansatz ist, die Aufmerksamkeit des Kindes beim Rechnen zu verbessern. Die Fehler, welche dabei entstehen, beruhen sehr stark auf der Tatsache, dass das Kind mit den Gedanken mehr oder weniger abwesend ist.

Die Funktionen oder Sinneswahrnehmungen, welche für das Rechnen benötigt werden, laufen beim Kind mit einer Dyskalkulie nicht in geregelten Bahnen. Zufallserfolge sind an der Tagesordnung. Daher muss ein erfolgreiches Training unbedingt die Sinneswahrnehmungen, welche man zum Rechnen braucht, trainieren und damit verbessern. Die Kinder müssen lernen, besser hinzuschauen, besser hinzuhören und den Raum besser einzuschätzen.

Natürlich ist der Grundsatz „Ohne Rechenübung kein erfolgreiches Rechnen!“ unbedingt zu beachten. Jedes Kind muss, wenn es das Rechnen erlernt, üben. Nicht nur das Kind mit einer Dyskalkulie! Allerdings soll man doch bei der bitteren Wahrheit bleiben, dass ein Kind mit Rechenproblemen mehr Zeit für die Materie aufwenden muss, um den Wissensstand der Mitschüler zu erreichen. Ein Mehraufwand ist Tatsache! Daran kommt man nicht vorbei.

BEITRAG AUS „DYSKALKULIE TRAINING NACH DER AFS-METHODE“ ISBN 978-3-902657-04-6

http://www.legasthenie.at/dyskalkulie/

Share Button

Trainingsmaterialien und Mathematik

Dyskalkulie

 

Kinder mit einer Dyskalkulie sprechen sehr gut auf das Medium Computer
an. Tatsächlich kann man beobachten, dass beim Arbeiten mit dem Computer die Aufmerksamkeit wesentlich höher ist, als wenn das Kind am Papier rechnet.

Der Computer bietet aber noch andere Vorzüge. So können Zahlen in einer dreidimensionalen Art dargestellt werden. Die Zahlen erhalten damit einen Körper und werden besser vertiefend, also dauerhafter verarbeitet. Das bekannte Programm Fontmagic kann hier zum Vertiefen der Zahlensymbole dienen.

Am Markt existiert eine Reihe von Software, mit der man Kindern mit Rechenproblemen helfen kann. Bewährt haben sich Programme, die möglichst wenig Ablenkung von der Materie bieten. Achten Sie beim Kauf darauf!

Das Easy Maths Program wurde aufgrund von ausgiebigen Studien von Kindern mit Dyskalkulie entwickelt. Es hat sich vielfach in der Praxis bewährt und ist deshalb von einem erfolgreichen Dyskalkulietraining gar nicht wegzudenken. Es geht auf die Besonderheiten des AFS-Systems ein und ist dadurch effizient für Kinder mit Dyskalkulie. Es werden der Aufbau: Zahlensymbol, Zählen, Symbol und Mengeund die Grundrechenarten trainiert. Durch das Training am Computer mit diesem Programm wird das Kind motiviert und hat dadurch Erfolgserlebnisse. http://www.Easy-Maths-Program.com

Auch das Easy Training Program, welches speziell differente Sinneswahrnehmungen von Kindern mit einer Dyskalkulie trainiert, ist ein ausgezeichnetes Programm für diese Zwecke. Fast spielend und ohne Symbole trainieren die Kinder die verschiedenen Teilleistungen, Funktionen – auch Sinneswahrnehmungen genannt -, die auch für ein erfolgreiches Rechnen Grundbedingung sind. Ein „Highscore“ ermöglicht eine Kontrolle über die Verbesserung der Leistungen und ist deshalb bei den Kindern sehr beliebt. Weil die Kinder dieses Programm als ein Spielprogramm betrachten und es ihnen so gar nicht bewusst ist, dass es zu einer Verbesserung ihrer Sinneswahrnehmungen beiträgt, ist es nicht nur erfolg-reich, sondern es wird auch sehr gerne gespielt:
http://www.Easy-Training-Program.com

Auf der beiliegenden CD-Rom sind Arbeitsblätter als PDF-Datei zum Ausdrucken enthalten. Zum Öffnen der Arbeitsblätter benötigen Sie den kostenfreien Adobe PDF-Reader oder ein vergleichbares Programm.

Bitte beachten Sie auch die aktuellen Arbeitsblätter und Lernspiele auf der Internetseite http://www.Arbeitsblaetter.org für die hier beschriebenen Programme sowie Tipps und Tricks.

Mit dem Dyslexia Quality Award ausgezeichnete Materialien für das Dyskalkulietraining finden Sie auch unter: http://www.bestofdyslexia.com

BEITRAG AUS „DYSKALKULIE TRAINING NACH DER AFS-METHODE“ ISBN 978-3-902657-04-6

http://www.legasthenie.at/dyskalkulie/

Share Button

Dyskalkulie im Erwachsenenalter

Erwachsenen Dyskalkulie

Die meisten Erwachsenen mit Rechenschwierigkeiten wissen nicht einmal, warum sie mit der Mathematik zu kämpfen haben. Fehldiagnosen sind an der Tagesordnung, wenn sich Betroffene nicht an Spezialisten, die im pädagogisch-didaktischen Bereich tätig sind, wenden. Betroffene zweifeln selbst nicht selten an ihrer Intelligenz, weil sie dem Stigma, welches unsere Gesellschaft vorgibt, Glauben schenken: dass nur ein solcher Mensch als intelligent gilt, der rechen kann. Manche fühlen sich sogar krank, weil auch dies mitunter suggeriert wird.

Erwachsene mit Rechenproblemen haben nicht nur ein schlechtes Gefühl, wenn es um mathematische Belange geht, manchmal kommt es bei Betroffenen auch zu regelrechten Panikattacken. Diese Menschen haben meistens viele Jahre des Misserfolges hinter sich. Schlechte Zensuren, abgebrochene Schullaufbahnen oder auch Ausbildungen sind wegen der Rechenprobleme durchaus möglich. Dazu kommt ein massives Minderwertigkeitsgefühl, was nicht selten in psychische Auffälligkeiten mündet. Es gibt eine hohe Dunkelziffer bei den Erwachsenen, die das Rechnen nicht ausreichend beherrschen. Dazu gibt es für den deutschen Sprachraum keine wissenschaftlichen Untersuchungen, so können nur Schätzungen vorgenommen werden.

Man weiß heute, dass Rechenschwierigkeiten erworben oder auch, und dies ist wesentlich häufiger der Fall, vererbt sein können. Dies hat die Genforschung im Zusammenhang mit der Legasthenie schon herausgefunden.

Von einer Dyskalkulie, die genbedingte Ursachen hat und deshalb auch vererbt werden kann, spricht man, wenn man Folgendes beobachten kann:

eine zeitweise Unaufmerksamkeit und auch Unruhe – die keine Krankheitsbilder wie z.B. eine Konzentrationsstörung oder Hyperaktivität sind – des Betroffenen, wenn er mit mathematischen Aufgaben in Kontakt kommt und in diesem Zusammenhang mit Ziffern oder Zahlen konfrontiert wird bei sonst guter Aufmerksamkeit in allen anderen Belangen und

differente Sinneswahrnehmungen z.B. im optischen oder akustischen Bereich und auch in der Raumwahrnehmung, die nicht ausreichend für das Erlernen des Rechnens geschärft sind.

Infolge der unscharfen Sinneswahrnehmungen und der daraus resultierenden zeitweisen Unaufmerksamkeit kommt es beim Rechnen zu sogenannten Wahrnehmungsfehlern.

Zwei Formen werden bei einer Dyskalkulie unterschieden: die Primärdyskalkulie und die Sekundärdyskalkulie. Von einer Primärdyskalkulie spricht man, wenn beim Betroffenen lediglich Schwierigkeiten beim Rechnen beobachtet werden. Von einer Sekundärdyskalkulie spricht man, wenn zusätzlich zu den Rechenproblemen psychische oder physische Auffälligkeiten hinzukommen. Zu einer Sekundärdyskalkulie kann es vor allem dann kommen, wenn die Problematik nicht entdeckt wird, der Betroffene keine Hilfestellung bekommt und deshalb psychische Auffälligkeiten entwickelt. Auch physische Seh- oder Hörprobleme können eine Sekundärdyskalkulie bewirken.

So haben Menschen mit einer genbedingten Rechenproblematik, die als Dyskalkulie bezeichnet wird, eine besondere Informationsverarbeitung, die an sich nichts Schlimmes wäre, würde dadurch nicht ihr Zugang zur Mathematik besondere Interventionen verlangen, also besondere Methoden, welche auf ihre Anforderungen abgestimmt sind. Doch diese Hilfe bleibt den meisten Betroffenen in unseren Schulen versagt.

Zur Erklärung soll so viel gesagt sein, dass das Gehirn bei dyskalkulen Menschen anders organisiert ist. Die Sinnesorgane verarbeiten Informationen in einer Art und Weise, die besondere Hilfestellungen für die betroffene Person verlangt, damit ein reibungsloser Lernprozess stattfinden kann.

Andererseits gibt es auch Rechenschwierigkeiten, die erworben sind, sie werden meistens als Rechenschwäche bezeichnet. Gründe dafür gibt es viele. Es sei nur erwähnt, dass schon vermehrte Krankheitsphasen in der Volksschule bis hin zu Familienproblemen dazu führen können, dass Menschen speziell im Rechenbereich versagen. In diesem Fall genügt es, wenn die Verursachung beseitigt wird und ein intensives Training im Symptombereich erfolgt, womit ein Aufholprozess in Gang gesetzt wird.

Ein Training am Symptom alleine genügt bei einer Dyskalkulie, wie schon erwähnt, allerdings nicht, es muss eine umfassendere Förderung stattfinden. Dazu aber später.

Rechenschwierigkeiten treten manchmal gleichzeitig mit Schreib- und Leseproblemen auf. Die Problematik kann aber auch eine isolierte sein.

In jedem Fall ist es ist also besonders wichtig, dass man sich als Erwachsener möglichst einem Spezialisten anvertraut, der nicht nur die Ursachen und die Wirkung der Problematiken unterscheiden kann, sondern auch eine individuelle pädagogische Förderdiagnostik durchführt, auf der schließlich die gezielte individuelle Förderung aufbaut.

Es sei hier nochmals erwähnt, dass es für eine gezielte Hilfe nie zu spät ist, denn viele Menschen haben tatsächlich erst als Erwachsene das Rechnen, aber auch das Schreiben und Lesen vor allem für sie zufriedenstellend erlernt.

BEITRAG AUS: DYSKALKULIE KLL VERLAG ISBN 978-3-902657-15-2
http://www-dyskalkulie-erw.de

Share Button

Legasthenie oder Dyskalkulie ist keine Krankheit oder Behinderung!

Vorausschickend, eine Legasthenie oder eine Dyskalkulie ist weder eine Krankheit noch eine Behinderung, sie wird vielmehr durch eine differente Wahrnehmung eines Menschen hervorgerufen. Einfach gesagt, empfinden, sehen und hören legasthene/dyskalkule Menschen ein bisschen anders als andere. Die Erscheinungsform dieser anderen Wahrnehmung ist es aber, die zu den Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen führt und die Menschen, welche nicht mit diesem Problem vertraut sind, glauben lässt, dass es sich deshalb, um es vorsichtig auszudrücken, um einen minderbegabten Menschen handelt. 

Legasthenie-Dyskalkulie

Was soll man auch von jemandem halten, dem man mindestens schon zwanzig Mal ein einziges Wort beizubringen versucht hat? Der es einige Male richtig schreibt, dann aber wieder fehlerhaft? So jemanden für idiotisch zu erklären, fällt natürlich leichter, als sich über die Hintergründe zu informieren. Dies passiert auch dann meistens nicht, wenn man sehr wohl merkt, dass der Mensch, den man vor sich hat, oft überdurchschnittlich gute Gedankengänge hat.

Er verfügt offensichtlich über außergewöhnlich gute technische Ideen, ist unglaublich kreativ, hat eine hohe Auffassungsgabe, eine oftmals schier unglaubliche Merkfähigkeit, man denke nur an die Lesebücher, die mühelos auswendig gelernt werden. Leider wird in unserer Gesellschaft hundertmal mehr auf die Kulturtechniken des Lesens, des Schreibens oder des Rechnens Wert gelegt anstatt auf andere Talente. Dabei, seien wir doch ehrlich, wer ist denn schon in der deutschen Rechtschreibung nach der Reform und der Reform der Reform wirklich noch perfekt?

Wir täten gut daran, die besonderen Qualitäten der Betroffenen zu erkennen und nicht ständig auf den Fehlern herumzuhacken. Sie vor allem zu fördern, ihnen aber auch mental dabei zu helfen, über die Hürden der Kulturtechniken leichter hinwegzukommen, dies wäre wohl besonders wichtig. Hatte die Ansage hundert Wörter und gab es acht Fehler, wurden dann nicht zweiundneunzig richtig geschrieben?

Aber besonders die Rechtschreibung, oder auch Richtigschreibung genannt, ist für manche eine heilige Kuh und das Beurteilungskriterium für die Intelligenz eines Menschen schlechthin. Ein wenig engstirnig, oder? Tatsächlich haben Schreib-, Lese- oder Rechenkenntnisse absolut nichts mit der tatsächlichen Intelligenz eines Menschen zu tun. Dafür gibt es unzählige Beispiele.

Wobei natürlich damit nicht in Zweifel gezogen werden sollte, dass die Kenntnis von grundlegenden Schreib-, Lese- oder Rechenkenntnissen im gesamten Leben hilfreich ist und deshalb erlernt werden sollte. Doch ist es abzulehnen, diese Kenntnisse als Maßstab für den Wert eines Menschen herzunehmen, was tatsächlich so oft passiert.

Wir würden viele tolle Talente nicht verschwenden, wie es zur Zeit der Fall ist, sondern für unsere Gesellschaft nützen. Wie lange können wir es uns denn noch leisten, solche Talente zu verheizen? Tatsache ist, dass Legasthenie oder Dyskalkulie nicht sichtbar ist. Alles, was der Mensch nicht sehen kann, wird oft in Zweifel gezogen.

Wir haben für sprachbehinderte, für seh- oder hörbehinderte Kinder in unserem Schulsystem bestens vorgesorgt. Sie bekommen eine spezielle Förderung. Obwohl die differente Wahrnehmung nicht als Behinderung anzusehen ist, bräuchten diese Kinder in der Schule auch einen speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Unterricht. Ihr Pech ist es nur, dass sich die Symptomatik bei ihnen lediglich in ihren Fehlern beim Lesen, Schreiben oder Rechnen widerspiegelt. Ihre speziellen Bedürfnisse werden nicht erkannt. Mit Vorurteilen, wie „Das Kind übt zu wenig!“ oder „Es ist einfach zu dumm, sich das von ihm Geforderte zu merken!“ oder „Einfach schlampig!”, ist man schnell bei der Hand. So mancher Lehrer konnte Eltern schon glaubhaft machen, dass sie eben ein „schwaches“ Kind haben.

So wird versucht, ihnen durch mühsames, vermehrtes Üben zu helfen. Diese Maßnahmen verursachen aber nur noch mehr Probleme, vor allem psychische, da man damit dem Kind ständig vor Augen führt, was es nicht kann, bzw. vom Kind etwas verlangt, das es nicht leisten kann. Vermehrtes Üben allein hat bei legasthenen oder dyskalkulen Kindern noch nie zum gewünschten Erfolg geführt.

BEITRAG AUS “DER LEGASTHENE MENSCH”   ISBN 978-3-902657-08-4 KLL VERLAG  2010

Share Button

Zur pädagogischen Definition für Schreib-, Lese- und Rechenprobleme bzw. Legasthenie und Dyskalkulie

Einheitliche allgemein gültige Definitionen, welche die verschiedenen Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme ausreichend beschreiben würden, gibt es bis heute nicht.

Pädagogische Definition für Schreib-, Lese- und Rechenprobleme bzw. Legasthenie und Dyskalkulie:

„Ein legasthener/dyskalkuler Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene/dyskalkule Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens.“ 

Dr. Astrid Kopp-Duller, 1995

Legasthenie ist wohl ein wesentlich umfassenderes, komplizierteres, komplexeres Gebiet als das Wort auszudrücken vermag.

„Legasthene und dyskalkule Menschen haben eine besondere Informationsverarbeitung und dadurch bedingt eine besondere Lernfähigkeit, welche an die pädagogisch-didaktische Interventionsebene hohe Anforderungen stellt.“

Dr. Astrid Kopp-Duller, 2005

Frau Dr. Schenk-Danzinger hat immerhin in ihrer Definition, die auch heute noch richtungsweisend ist, zusätzlich zu den Leseproblemen Schreibprobleme miteinbezogen, doch liegt auch bei genetisch bedingten Rechenproblemen die gleiche differente Wahrnehmung eines Menschen zu Grunde. Warum es sich einmal im Lese- oder/und Schreibbereich auswirkt, dann wieder im Rechenbereich, vermag wohl niemand mit Sicherheit zu sagen. Tatsache ist aber, dass alles, was für Kinder mit Legasthenie gilt, auch für jene mit Dyskalkulie gilt.

Die differente Aufmerksamkeit und differenten Funktionen oder Teilleistungen, sogenannte Sinneswahrnehmungsleistungen, lassen Fehler beim Schreiben, Lesen oder Rechnen entstehen.

“Der Name Legasthenie ist nicht sehr glücklich gewählt!“ oder “Legasthenie gibt es ja gar nicht“. Solche und noch andere eigenartige Aussprüche kann man da und dort immer wieder hören. Zumeist steckt lediglich Unwissenheit oder auch Hilflosigkeit gegenüber dem Problem, mit Betroffenen nicht erfolgreich umgehen zu können, dahinter.

Aber wie schon William Shakespeare in seinem weltberühmten Drama „Romeo und Julia“ sinngemäß sagte, „… wie immer die Rose auch heißen würde, es vermag nichts daran zu ändern, dass sie wundervoll duftet …“.

Tatsache ist, dass die Problematik existiert, dass es Menschen gibt, die das Schreiben, Lesen oder Rechnen, trotz ausreichender Intelligenz, nicht oder nur sehr langsam, mit größter Mühe, erlernen können. Wie man aber die Problematik benennt, ist tatsächlich eine andere Sache. Erleichternd für alle, die damit zu tun haben, wäre natürlich, wenn es einheitliche und allgemein gültige Definitionen geben würde.

Da die Verursachungen von und auch die Hilfestellungen bei Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen unterschiedlich sein können, ist es angebracht, auch unterschiedliche Begriffe zu verwenden. So werden Schreib- und Leseprobleme, welche eine genetische Verursachung haben, als Legasthenie, erworbene als Lese-Rechtschreibschwäche bezeichnet. Gleichfalls werden Rechenprobleme, welche eine genetische Verursachung haben, als Dyskalkulie, erworbene als Rechenschwäche bezeichnet. Auf die notwendigen unterschiedlichen Förderansätze wird noch eingegangen werden.

Aber zurück zu Shakespeare. Mit Drama allerdings hat das Wort Legasthenie tatsächlich etwas gemein, aber auch mit der Rose. Legasthenie ist eine Gabe, kann aber auch ein ganz besonders schlimmer Klumpfuß für den Betroffenen und seine Umgebung sein.

Obwohl man schon seit zirka 120 Jahren wissenschaftlich diesem Phänomen auf den Grund zu gehen versucht, ist es aber leider immer noch für viel zu viele Menschen ein Wort, das in ihrem Sprachschatz nicht vorkommt bzw. von dem sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, auch wenn sie direkt oder indirekt davon betroffen sind.

Betrachtet man heute die Entwicklung der Forschung, so fällt auf, dass es ein ewiges Hin und Her war. Von Bemühungen, herauszufinden, was die Ursachen sind, bis hin zur versuchten Zerstörung des Erforschten, alles kann man finden.

Dienlich waren der Legasthenieforschung, als diese sehr weit gediehen war, jene Pseudogelehrten gerade nicht, die plötzlich behaupteten, so etwas wie Legasthenie gäbe es nur in den Köpfen reicher Leute, die diese Bezeichnung als Ausrede für ihre dummen Kinder gebrauchten. Die Folge war eine große Verunsicherung vor allem bei Pädagogen oder Lehrern, die ja unmittelbar mit diesen besonderen Kindern in der Klasse zu tun hatten oder haben.

Und besondere Kinder sind legasthene oder dyskalkule Kinder allemal, das lässt sich tatsächlich behaupten, je mehr man mit diesen zu tun hat. Wenn man dann schon mit so vielen sehr eng zusammengearbeitet hat, wird die Bewunderung für ihre besondere Wahrnehmung und ihre umfassende Denkweise immer größer.

Trotzdem kann man im Zusammenhang mit Legasthenie von einer Problematik sprechen. Meistens werden diese hochbegabten Kinder von ihrer Umwelt völlig falsch verstanden, und dies führt nicht selten früher oder später zu großen Problemen innerhalb der Familie, aber auch vor allem in der Schule. Anfangs kann man bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie nie von einem Krankheitsbild sprechen. Die Beobachtung zeigt, dass das Kind mit einer Primärlegasthenie oder -dyskalkulie (als Primärlegasthenie oder -dyskalkulie bezeichnet man die Problematik, wenn ein intelligenter Mensch das Schreiben, Lesen oder Rechnen mit den üblichen Schulmethoden nicht oder nur sehr langsam erlernt, ohne dass psychische oder physische Auffälligkeiten daran beteiligt sind oder sogar verursachend sind), wenn es auf gute Voraussetzungen trifft – z.B. auf einen Pädagogen, und auf den trifft es immer vor dem Psychologen oder dem Psychiater, welcher sich des Problems der Legasthenie oder Dyskalkulie bewusst ist und den Anforderungen des Kindes Genüge tut – nie zu einem Problemkind wird. Leider ist die Praxis eine andere.

Oftmals hat unsere Gesellschaft verhaltensauffällige Kinder geschaffen, für die sich aber keiner mehr zuständig fühlt. Hat man einer Legasthenie oder einer Dyskalkulie ein psychisches Problem aufgepflanzt, ist dieses wesentlich schwieriger zu bewältigen als die Legasthenie oder Dyskalkulie selbst. Dabei wäre es so leicht, auch diesen Kindern das Lesen, Schreiben oder Rechnen beizubringen. Denn wer behauptet, legasthenen oder dyskalkulen Kindern könnte man diese Kulturtechniken nicht beibringen, der irrt. Sie bräuchten nur Lehrmethoden, die ihrer besonderen Lernfähigkeit entgegenkommen, die ihnen z.B. alles bildlich und dreidimensional bringen, mehr Vertiefung als gewöhnlich, mehr Zeit und viel Lob.

Um nochmals auf den Begriff Legasthenie zurückzukommen, soll hier nur dazu bemerkt werden, dass mit diesem Ausdruck, mit dieser Bezeichnung, nicht die umfassende Problematik dieses Phänomens bedacht wird. Da es aber existiert, und wie immer man dies auch nennen möchte, ob differente Wahrnehmung, Lernstörung, Teilleistungsprobleme, um nur einige zu nennen, so ist doch immer das Problem eines Menschen damit gemeint, der es verdient, von uns anderen 85% der Menschen verstanden zu werden, und der schließlich auch ein Recht darauf hat.

Wichtig wäre es, doch davon Abstand zu nehmen, bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie ohne Sekundärproblematik, der sogenannten Primärlegasthenie oder -dyskalkulie – es verstärken keine psychischen oder physischen Probleme die genetische Veranlagung, lediglich verlangen diese Menschen beim Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens nach einer auf ihre besondere Lernfähigkeit abgestimmten Methodik – ständig von Störung, Schwäche, Krankheit oder gar Behinderung zu sprechen. Eine nicht rechtzeitig erkannte Legasthenie oder Dyskalkulie und die damit zusammenhängende ständige schulische Überforderung kann auch zu Sekundärproblemen führen. 15 Prozent der Weltbevölkerung als „schwach“ oder „gestört“ zu bezeichnen, ist nicht legitim und äußerst vermessen.

BEITRAG AUS „DER LEGASTHENE MENSCH“   ISBN 978-3-902657-08-4 KLL VERLAG MÄRZ 2010

 

Share Button