Technische Geräte als Trainingsergänzung

Als Legastheniespezialist sollte man stets danach streben, neue Möglichkeiten zu finden, wie man Betroffenen helfen kann.
In letzter Zeit häufen sich technische Geräte am Markt, die für ein Sinneswahrnehmungstraining bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie angeboten werden.
Tatsächlich sind technische Geräte natürlich für ein Training als willkommene Abwechslung und Motivation für die Kinder zu sehen, wie es auch z.B. der Computer ist, nicht mehr und nicht weniger. Über tatsächliche Veränderungen der Gehirnfunktionen, welche diese Geräte laut Entwickler oder Vertreiber hervorrufen sollen, untersuchen und diskutieren Wissenschaftler aber schon sein geraumer Zeit und sind noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen.
Leider neigen die Entwickler und natürlich die Vertreiber dieser Geräte dazu, diese als Allheilmittel anzupreisen. Kein technisches Gerät kann aber die gute pädagogisch-didaktische Arbeit diplomierter Legasthenietrainer ersetzen, bestenfalls ergänzen. Man sollte schließlich auch erkennen, dass nicht alle Betroffenen positiv auf solche Geräte reflektieren.

Es ist noch viel zu tun

Es ist noch viel zu tun, damit noch mehr Menschen klar wird, was ein Legastheniker überhaupt ist, welche Probleme er hat und auch welche besonderen Begabungen er durch seine Legasthenie besitzt.

Gerade hat mir ein völlig unwissender Reporter wieder ganz drastisch vor Augen geführt, wie wenig die Gesellschaft eigentlich Bescheid weiß. Er schilderte sein Interview mit einem der reichsten Männer der Welt, Bill Gates. Er bemerkte, dass Bill Gates wie ein kleiner Schuljunge, die gesamte Zeit, in der er mit ihm sprach, auf seinem Stuhl hin und her rutschte und auch noch dazu mit dem Sessel ritt. Der ahnungslose Mann hatte eben anscheinend nicht die geringste Ahnung davon, warum Bill Gates diesen Wesenszug hat. Er ist ein legasthener Mensch! Die Genialität, mit der dieser Mann seine Visionen zum Nutze für fast die gesamte Menschheit verwirklicht hat, liegt wohl in seiner Legasthenie und damit in seinen besonderen und umfassenden Gedankengängen begründet. In einiger Zeit, sobald dieser Mensch Geschichte sein wird, werden auch die heutigen Neider verstummt sein und in den Geschichtsbüchern wird hoffentlich nur objektiv über seine außergewöhnlichen Leistungen zu lesen sein.

Rückblickend hat sich die Situation der legasthenen Kinder in den letzten Jahrzehnten zwar doch ein wenig, aber meines Erachtens noch lange nicht genug, zum Besseren gewandt, denn noch immer ist es für manche legasthenen Kinder ein Glücksspiel, auf welche Voraussetzungen sie im persönlichen Umfeld treffen. Und diese Voraussetzungen – das Verständnis der Eltern und Lehrer um die Problematik und die rechtzeitige Hilfe – die aber tatsächlich für das gesamte Leben des Kindes bestimmend sind, sollten eben wesentlich berechenbarer sein.
Besserwisserei, Intoleranz, Ignoranz und Überheblichkeit bestimmen noch vielfach das Schicksal der betroffenen Kinder – um deren Schicksal es mir schon seit mehreren Jahrzehnten geht – und bringen so viel unnötiges Leid.

Es ist zu beobachten, dass ein regelrechter Kampf und nicht die gewünschte Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen der Pädagogen, Psychologen, Mediziner – alle fühlen sich in „erster“ Linie zuständig für diese Kinder – ausgebrochen ist. Tatsächlich ist natürlich die psychologische und medizinische Intervention in der Legasthenieproblematik zu respektieren. Doch sollte der Psychologe und der Mediziner nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie wirklich notwendig sind. Eine generelle Pathologisierung der Legasthenieproblematik ist abzulehnen. Und tatsächlich benötigt nicht jedes legasthene Kind, welches nur Probleme damit hat, das Schreiben und Lesen in der Art zu erlernen, wie es die Klassenkameraden tun, einen Arzt oder Psychologen. Wir wissen sehr genau, dass es eben nur bei einem geringen Prozentsatz der legasthenen Kinder dieser Interventionen bedarf. Die grundlegende Ebene ist und wird immer die pädagogische bleiben, ohne diese ist jede andere Therapie zum Scheitern verurteilt.

Die Problematik fängt damit an, dass von der Umgebung – Eltern und Lehrer – die Schwierigkeiten der Kinder beim Schreiben, Lesen und/oder Rechnen auf die Eigenarten, welche die Kinder in der Schule an den Tag legen, zurückgeführt werden. Ist nun der Lehrer unerfahren oder hat er nicht das nötige Wissen über die Legasthenieproblematik, ist also mit seiner Weisheit am Ende, so werden die „verhaltensauffälligen“ Kinder schnell zum Psychologen oder zum Arzt geschleppt. Dabei liegt aber der genau umgekehrte Prozess vor. Durch die Überforderung bzw. den nicht methodengerechten Unterricht, zeigen die Kinder ein außergewöhnliches Verhalten, weil sie es eben nicht anders ausdrücken können, dass sie mit den herkömmlichen Lernmethoden nicht das Auslagen finden. Und so bekommen legasthene Kinder allerlei Therapien, die sie nicht brauchen, aber viele ihre gesamte Schulzeit lang nicht den pädagogisch–didaktischen Ansatz, den sie benötigen würden.

Sehr bedauerlich ist, dass sich „Spezialisten“ gegenseitig das Wissen und die Befähigung absprechen. Die Gründe dafür sind vielfältig, und so tragen sie maßgeblich zur Verunsicherung der Eltern und Interessierten bei. Die Folge ist, dass die nötige Hilfe zu oft viel zu spät oder gar nicht stattfindet. Vielfach wird auch die hervorragende Arbeit, welche zahlreiche Legastheniespezialisten leisten, von Kritikern zunichte gemacht. Kritik, die sich nicht selten als völlig haltlos erweist, sehr zum Schaden für die betroffenen Kinder.
Im Zeichen der Zusammenarbeit und der besseren Verständigung der an den Problemen der Kinder Beteiligten steht diese Neuauflage. Es sollte uns doch wirklich nur um das Wohl unserer Kinder gehen!
Die Erweiterung um einen Katalog von häufig gestellten Fragen, soll zu einem noch besseren Verständnis der Thematik beitragen.