Der Einsatz von Legasthenietrainern liegt in den Händen der Schulverantwortlichen

Viele interessierte Pädagogen haben sich in den letzten zehn Jahren Zusatzwissen bezüglich Legasthenie, LRS und Dyskalkulie beim Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie erworben, damit sie innerhalb der Schule und auch im Rahmen eines außerschulischen Unterricht Betroffenen helfen können.

Über den Einsatz dieser Spezialisten, die auf pädagogisch-didaktischer Ebene gezielt und individuell helfen, wurde in den letzten Jahren viel diskutiert und manchmal hatte man den Eindruck, dass sich die Verantwortlichen keineswegs im Klaren waren, welch wertvolles Potential hier für unsere Kinder vorhanden ist. Nicht immer wurden diese Pädagogen für ihr Interesse und ihren Fleiß belohnt, die sich nicht nur auf eigene Kosten sondern auch in ihrer Freizeit für ihren Wirkungsbereich Schule interessierten. Sie stießen manchmal auf gleichgültige, zweifelnde, belächelnde, ja sogar auf lästernde Kollegen oder Vorgesetzte. Nun hat aber das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur bezüglich dem Einsatz von diplomierten LegasthenietrainerInnen in österreichischen Schulen am 27. Juni 2007 klar festgestellt:
„Kenntnisse, die im Rahmen von anderen als im (hoch-)schulischen bzw. universitären Bereich angesiedelten „Aus-, Fort- und Weiterbildungen“ erworben worden sind, können sofern sie gleichwertig sind, natürlich von der den Einsatz der spezifischen Förderkräfte planenden regionalen Schulaufsicht ebenfalls anerkannt werden.“
Tatsächlich kann also von den Schulverantwortlichen selbst entschieden werden, welche Spezialisten zum Einsatz kommen, damit sowohl eine Feststellung auf pädagogischer Ebene als auch eine Förderung im Rahmen der Intensivierung der schulischen Interventionen – spezielle Förderkurse, Unterstützung durch LehrerInnen mit speziellen Qualifikationen, nur wenn erforderlich, schulpsychologische und/oder fachärztliche Unterstützung – gesichert ist.
Der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie, der Berufsverband der diplomierten LegasthenietrainerInnen bemüht sich seit Jahren die Relevanz der pädagogisch-didaktischen Hilfe für Kinder mit Problemen beim Erlernen des Schreibens, Lesens und/oder Rechnens in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rufen, denn ohne die gezielte Hilfe beim Schreiben, Lesen und/oder Rechnen durch speziell ausgebildete Pädagogen, kann es zu keinen dauerhaften Verbesserungen kommen. Der Einsatz der Gesundheitsberufe bei der Feststellung und Intervention bei Schreib-, Lese- und/oder Rechenproblemen wird in manchen, aber keinesfalls in allen Fällen notwendig werden. Eine strickte Trennung der Interventionsebenen, die Aufklärung von Eltern und Erklärungen sind deshalb erforderlich.

Eltern und Lehrer wehrt euch!

Schluss damit, dass Kinder, die lediglich Schreib-, Lese- oder Rechenproblem haben als kranke Kinder bezeichnet und auch so behandelt werden. Die Zuständigkeit für die Feststellung und Förderung bei Schreib-, Lese- und Rechenproblem fällt in erster Linie in den pädagogischen Bereich!

Die vorrangige Aufgabe von Spezialisten, wie zum Beispiel diplomierten Legasthenietrainerinnen und Trainern, welche Kindern im pädagogisch-didaktischen Bereich helfen, ihre Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme zu bewältigen, sollte es sein, die bestmögliche Hilfe zu geben. Es zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass es in den meisten Fällen völlig ausreichend ist, wenn Kindern durch speziell ausgebildeten Pädagogen geholfen wird.
Viele Eltern lehnen es zu Recht ab, ihre Kinder, die lediglich Probleme im Schreib-, Lese- oder Rechenbereich haben, zu einem Psychologen oder Arzt zu bringen. Kinder die Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme haben sind nämlich nicht grundsätzlich gestört, krank oder schwach, so wie man dies die Eltern glauben machen will. Die erste Feststellung und auch die ersten Fördermaßnahmen müssen immer durch Pädagogen getroffen werden. Ergeben sich in der pädagogischen Förderdiagnose oder während der pädagogisch-didaktischen Förderung Verdachtsmomente, dass auch Sekundärprobleme psychischer oder physischer Art vorhanden sein könnten, erst dann sind Fachleute der Gesundheitsebene mit einzubeziehen. Den umgekehrten Weg zu gehen, zuerst einen Gesundheitsberuf zu konsultieren, bedeutet in vielen Fällen, dass letztendlich dem Kind die Hilfe auf pädagogischer Basis vorenthalten wird.
Erfreulicher Weise werden von den Schulverantwortlichen zahlreiche Spezialisten in österreichischen Schulen eingesetzt, um Kindern mit Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen hilfreich zur Seite zu stehen.
Immer wieder finden jedoch Informationen Verbreitung, legasthene oder dyskalkule Kinder müssten über ein psychologisches Gutachten verfügen, damit Lehrer in den Schulen Rücksicht walten lassen können. Dies hat in Österreich keinen gesetzlichen Hintergrund. Dass trotzdem manche Lehrer es glauben, hängt damit zusammen, dass diese uninformiert, falsch formiert oder, was es leider auch gibt, einfach an der Problematik nicht interessiert sind. Ein Vermerk im Zeugnis ist gesetzlich in Österreich grundsätzlich nicht vorgesehen.
Jeder Lehrer kann im gesetzlichen Rahmen selbst entscheiden, wie er mit Feststellungen, sind diese pädagogischer, psychologischer oder medizinischer Art, umgeht. Um grundsätzlich Verständnis für den betroffenen Schüler zu gewähren, benötigt der Lehrer überhaupt kein Gutachten. Noch immer wird der Mythos “nur Psychologen dürfen einen Legasthenie/Dyskalkulie feststellen” genährt und Lehrer werden vor dem Gesundheitskarren gespannt. Obwohl es eigentlich für jeden Lehrer die logischste Sache der Welt sein sollte, dass man in erster Linie einen Pädagogen benötigt, wenn ein Kind Probleme im Schreibe-, Lese- oder Rechenbereich hat, oder? Man will einfach nicht wahr haben, dass es in vielen Fällen lediglich um pädagogisch-didaktische Feststellung und Interventionen geht und nicht immer Feststellungen oder Interventionen von Psychologen oder Ärzten notwendig sind, wenn Kinder Schreib-, Lese- und Rechenprobleme haben. Sich auf eine Definition zu beziehen – die gesamte Problematik wurde von der WHO Weltgesundheitsorganisation im ICD-10 als Krankheit definiert – die einen wesentlichen Teil, nämlich den pädagogisch notwendigen Interventionsbereich auslässt, bedeutet nur, das diese Definition nur dann wirksam werden kann, wenn Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme krankheitsbedingt sind, was auch vorkommt. Die meisten Kinder mit Schreib-, Lese- oder Rechenprobleme sind davon aber nicht betroffen. Deshalb sind auch Lehrer an die Definition der WHO wohl nicht gebunden. Viele Kollegen wissen um diesen Umstand leider nicht bescheid und viele sind leider unsicher und lassen sich viel zu oft von unqualifizierten Aussagen einschüchtern. Auch Eltern sind genauso davon betroffen, dass man vielfach extremen Druck auf sie ausübt und sie mit ihren gesunden Kindern zu Psychologen oder Ärzten, ja sogar ins Krankenhaus schickt. Dagegen helfen nur die ständige Information und die Motivation unserer tollen Lehrer draußen in den Schulen.

Legasthene und dyskalkule Menschen haben eine andere Lernfähigkeit und Informationsverarbeitung!

Das Thema wurde schon oft angesprochen, doch man kann es wohl nicht oft genug wiederholen, weil es für die Betroffenen von so großer Relevanz ist!
Diplomierte Legasthenietrainer und diplomierte Dyskalkulietrainer arbeiten auf pädagogisch-didaktischer Ebene. Gegen die Verwendung des Wortes “Therapeut” im Zusammenhang mit einer pädagogisch-didaktischen Hilfe durch Pädagogen bei Schreib-, Lese- und Rechenproblemen stellt sich nicht nur das österreichische Gesundheitsministerium sondern auch der Berufsverband der diplomierten Legasthenietrainer und diplomierten Dyskalkulietrainer, der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie. Die Bezeichnung Therapeut ist in Österreich lediglich den Gesundheitsberufen vorbehalten und nicht für die Verwendung im pädagogisch-didaktischen Bereich gedacht. Unser Verband bemüht sich sehr, diese beiden Ebenen auseinanderzuhalten und betont immer wieder die Relevanz der Pädagogen und ihrer Arbeit und lehnt die komplette Pathologisierung der gesamten Problematik, wie sie vor allem durch die ICD-10 gerechtfertigt scheint, wo man Schreib-, Lese- und Rechenschwierigkeiten als Krankheit bezeichnet, ab. Diese Definition ist eine der Gesundheitsebene und lässt eine Feststellung und auch eine Intervention durch die pädagogische Ebene völlig außer Acht. Deshalb kann sie auch aus der Sicht der Pädagogen nur als eine völlig unzureichende Definition angesehen werden.

Legasthenie oder auch die Dyskalkulie haben ihre Verursachung in biogenetischen Faktoren, die dazu beitragen, dass es zu Schwierigkeiten beim Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechens kommen kann. Diese Schwierigkeiten können aber auch durch psychische oder physische Verursachungen entstehen, nur dann sind neben einer pädagogisch-didaktischen Hilfe auch Interventionen durch Gesundheitsberufe gerechtfertigt. Schreiben, Lesen und Rechnen lehrt eben nur der Pädagoge! Sind aber tatsächlich psychische oder physische Problematiken, wie schon erwähnt, als Verursachung vorhanden, also eine Lese-Rechtschreibschwäche oder eine Rechenschwäche zu vermuten muss natürlich auch die Gesundheitsebene in die Gesamtförderung einbezogen werden. In der Praxis ist es aber tatsächlich so, dass die Fälle, wo Interventionen durch Gesundheitsberufe notwendig werden, eher die selteneren sind.
Legasthene/dyskalkule Kinder benötigen lediglich über das gängige Schulangebot hinausgehend individuelle pädagogisch-didaktische Unterstützung. Man geht davon aus, dass davon ca. 15% der Weltbevölkerung betroffen sind. All diese Menschen als schwach, gestört, krank oder gar behindert zu bezeichnen, ist in keinster Weise gerechtfertigt, weil legasthene und dyskalkule Menschen lediglich eine andere Lernfähigkeit und Informationsverarbeitung haben und mit geeigneten Methoden auch das Schreiben, Lesen und Rechnen erlernen können!

Die Geringschätzung, der man zumal begegnet, bezüglich der notwendigen Intervention durch speziell ausgebildete Pädagogen und der gleichzeitig in den Vordergrund drängenden Gesundheitsberufe ist nicht besonders erbaulich, weil es leider zu oft dazu führt, dass Kinder mit Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen zwar allerlei “Therapien” erhalten, jedoch nicht den notwendigen pädagogisch-didaktischen Ansatz, ohne den es keine anhaltenden Erfolge geben kann.

So entscheidend ist das Wissen des Grundschullehrers

Welcher Tätigkeit später ein legasthener Mensch nachgeht, entscheidet sich zumeist noch vor dem fünften Schuljahr. Jedes Jahr um diese Zeit, wenn sich das Schuljahr dem Ende zuneigt, wird für zahlreiche legasthene Kinder wieder von Pädagogen entschieden werden, wie sich ihr weiteres Leben, nicht nur das Schulleben, gestalten wird.

Leider sind noch immer einige Pädagogen der Meinung, dass auch allgemein intelligente Kinder, die beim Schreiben, Lesen und /oder Rechnen Schwierigkeiten in der Grundschule zeigen, nicht in ein Gymnasium gehen sollten. Viele führen an, dass das Gymnasium schlicht weg eine Überforderung darstellt, der legasthene Kinder nicht gewachsen sind. Was natürlich auf keinen Fall in der Regel den Tatsachen entspricht. Dies lässt sich anhand von zahlreichen Beispielen belegen. Unzählige legasthene Menschen haben sogar einen Universitätsabschluss mit Hilfe verständiger und wissender Menschen geschafft und viele konnten sogar Wertvolles für die gesamte Menschheit leisten.
Legasthenie ist keine Anomalität, Schwäche, Störung, Krankheit oder Behinderung sondern ein Zeichen besonderer Begabung, was aber manchen Menschen anscheinend schwer fällt zu glauben oder ihnen einfach entgangen zu sein scheint. Viele hängen auch dem Irrglauben nach, ein Mensch sei intelligent, wenn er schreiben und lesen kann, einer der es nicht kann oder Mühe hat es zu erlernen, nicht besonders gescheit. Menschen mit so einer Auffassung, die selbst nicht gerade von besonderem Weitblick und auch Intelligenz zeugt, fühlen sich in ihrer Selbstherrlichkeit dazu berufen zu verhindern, das legasthene Kinder eine höhere Schulbildung erlangen können. Vielfach hört man „ich kann es nicht verantworten“ oder „ ich kann es nicht auf mich nehmen“. Man fragt sich zurecht, ob diese Personen es aber „verantworten“ oder „auf sich nehmen“ können, über ein Menschenleben zu bestimmen? Doch soweit denkt „man“ wahrscheinlich gar nicht.
Informierte und verantwortungsbewusste Grundschulpädagogen dagegen wissen – und deren Anzahl wird erfreulicher Weise immer größer – dass legasthene Kinder länger als die vier Grundschuljahre benötigen, um den Schreib- und Leseerlernprozess zu verbessern. Glückliche Kinder, die auf diese treffen. Wofür man doch im Leben Glück braucht!

Menschen mit Schreib- oder Leseproblemen benötigen keine Therapeuten!

Das Wort Therapeut im Zusammenhang mit pädagogischen Interventionen bei Legasthenie/LRS/Dyskalkulie ist abzulehnen!

Diplomierte Legasthenietrainer arbeiten auf pädagogisch-didaktischer Basis. Eltern werden durch die Bezeichnungen, wie Lese- Rechtschreibtherapeut, Dyslexietherapeut, Lerntherapeut, etc. verunsichert und glauben, sie haben ein krankes oder gestörtes Kind. Gesundheitsberufe haben als Interventionsebene nur dann ihre Berechtigung, wenn das Kind psychische oder physische Sekundärproblematiken aufweist. Psychologen und Ärzte klammern sich aber nach wie vor an die Formulierung des ICD-10 der WHO, wo Schreib- und Leseprobleme als Krankheit beschrieben werden und lassen die vorrangige Notwendigkeit der pädagogisch-didaktischen Interventionen bei einer Legasthenie/LRS/Dyskalkulie nur sehr ungern gelten. Allerdings hat noch keine Krankenkasse Interventionen auf dieser Ebene bezahlt. Tatsache ist aber, dass Therapien durch Gesundheitsberufe ohne die gezielte Hilfe eines Pädagogen allerdings nie zum gewünschten Erfolg führen.

Eine diplomierte Legasthenietrainerin schrieb so treffend:

“Die ICD 10 Formulierung ist ja eine sehr unglückliche. Man muss wissen, dass kein Pädagoge seinerzeit mitgearbeitet hat, als dieser erstellt worden ist. Deshalb zielt auch alles auf Schwäche, Störung und Krankheit hin, weil nur Psychologen und Mediziner gehört wurden. Darunter haben noch heute viele Kinder zu leiden.“

Bei Bezahlung von Förderungen durch diverse öffentliche Stellen geht man aber schon längere Zeit davon ab, legasthenen, LRS, dyskalkulen Kindern Hilfe nur von Gesundheitsberufen aus zu gewähren. Allerdings ist das Wissen der Beamten leider noch völlig unzureichend und wird auch durch Interventionen verschiedener Gesundheitsberufe, die offensichtlich um ihre Positionen fürchten, immer wieder verunsichert. Dabei sollte doch all unser Streben darauf hinzielen, den Betroffenen möglichst umfassend zu helfen. Wirtschaftliche Ängste oder andere sollten wirklich in den Hintergrund rücken!
Man muss dringend zwischen den Interventionsebenen unterscheiden, wenn man bei einem Kind eine Legasthenie vermutet. In erster Linie sollte immer der Spezialist, der auf pädagogisch-didaktischer Ebene die Feststellung und die Förderungen durchführt, herangezogen werden. Die Legasthenie selbst ist grundsätzlich keine Schwäche, Störung, Krankheit oder gar Behinderung. Diese Menschen – 15% der Weltbevölkerung sind davon betroffen – benötigen nur einen speziellen Weg, das Schreiben, Lesen und/oder Rechnen zu erlernen, denn sie finden mit dem herkömmlichen Angebot der Schule nicht das Auslangen. Lediglich legasthene Kinder, die zusätzliche echte psychische oder physische Störungen aufweisen, sollten bei einem Psychologen oder bei entsprechenden medizinischen Berufsgruppen (Mediziner, Logopäde, Ergotherapeut, etc.) vorgestellt werden. Denn nur wenn legasthen Kinder schwere psychische oder physische Probleme aufweisen, ist der Einsatz Gesundheitsberufen notwendig und gerechtfertigt. Ansonsten sollten Sie sich an einen Legastheniespezialisten, der die Sache von der päd.-did. Seite interveniert, wenden. Er wird den Betroffenen Wege zeigen, wie auch sie das Schreiben, Lesen und/oder Rechnen (Dyskalkulie) erlernen können.
Zahlreiche Gesundheitsberufsgruppen, sofern sie nicht eine Zusatzausbildung für dieses Spezialgebiet haben, so auch Psychologen, haben wenig bis keine Erfahrung von pädagogisch -didaktischen Intervention bei Legasthenie, sondern nur über die Behandlung der Sekundärproblematiken, die, erkennt man diese zu spät, sich z.B. im psychischen Bereich ausdrücken können. Auch bei der Diagnostik treten im psychologischen Bereich unabsehbare Probleme zu Tage, denn nicht selten wird von Psychologen für eine Feststellung der Legasthenie ein IQ-Test herangezogen oder auch diverse Lese-Rechtschreibtest durchgeführt. Beide Ansätze verursachen zu oft völlige Fehldiagnosen und sagen tatsächlich über eine Legasthenie nichts aus! IQ-Tests sind vielfach darauf ausgerichtet, dass mittels Sinneswahrnehmungsleistungen die Intelligenz festgestellt wird. Nur ein Beispiel dazu zum besseren Verständnis. Man legt einen Blinden Karten vor, er soll sie ordnen, kann er das nicht, weil er “blöd” ist oder weil er die Karten nicht sieht? Wobei der Blinde aber gegenüber dem legasthenen Menschen eine Problematik aufweist, die man als Mitmensch sofort bemerkt. Differente Sinneswahrnehmungen, die eine Legasthenie ausmachen, sieht man aber nicht. Wissenschaftlich spricht man bedauerlicher Weise nur dann von Legasthenie, wenn eine durchschnittliche oder überdurchschnittliche Intelligenz vorhanden ist. Man sollte aber der Intelligenz im Zusammenhang mit der Förderung wenig Gewicht einräumen, denn auch ein weniger intelligenter Mensch hat ein Recht auf Förderung!
Auch LRS-Tests sind bei legasthenen Kindern oftmals wenig aussagekräftig, weil diese Kinder unterschiedliche Tagesverfassungen zeigen, wenn sie schreiben oder lesen. So kann es gut passieren, dass ein legasthenes Kind heute einen LRST macht, wenig bis keine Fehler macht, was dann in keinster Weise auf gröbere Probleme schließen lässt. Analysiert man dagegen Lese- und Schreibleistungen von längeren Leistungszeiträumen, bekommt man ein völlig anderes Bild.

Viele Legasthenietrainer mussten in der Praxis erleben, dass es leider zu viele Fehldiagnosen von eifrigen Gesundheitsberufsgruppen gibt.
Zu wenig kommen noch immer Leute zu Wort, welche die so relevante Ebene der pädagogisch-didaktischen Intervention bei Legasthenie/LRS vertreten. Leider findet die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen bei weitem nicht ausreichend statt, was sehr zum Nachteil der Betroffenen gereicht. Es ist daher für Betroffene sehr wichtig, dass man immer wieder genau den Wirkungskreis der verschiedenen Spezialisten definiert und erklärt. Dann bleiben auch lange Irrwege, die so manch Betroffener und seine Familie beschreitet, erspart.

ErzieherInnen leisten wertvolle Hilfe bei der Unterstützung von Menschen mit Schreib-, Lese- und Rechenproblemen

Die Berufsgruppe der ErzieherInnen leistet im außerschulischen Bereich einen immer größer werdenden Beitrag dazu, dass sich Menschen mit Schreib-, Lese- und Rechenproblemen besser im Schul- und später im Berufsleben zurechtfinden.

Man beobachtet, dass diese Berufsgruppe in den letzten Jahren zahlreiche Spezialisten auf dem Gebiet der Legasthenie/LRS/Dyskalkulie dazu gewinnen konnte. Das besondere Interesse an der Thematik zeichnet die Gruppe der ErzieherInnen aus. Dieses Interesse geht weit über die eigentliche Verantwortlichkeit, die ein Erzieher hat, hinaus, was als besonders löblich anzusehen ist.

Leider wird die besondere Relevanz der Berufsgruppe für die Entwicklung und Vorbereitung der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen auf das Leben zumeist von unserer Gesellschaft völlig unterschätzt. ErzieherInnen tragen wesentlich zur Entwicklung der Persönlichkeit der jungen Generation bei, heute mehr denn je, weil der Familienverband in der einstigen Form nicht mehr existiert.

Deshalb ist es auch wichtig, dass diese Berufsgruppe über genügend Know How bezüglich Legasthenie/LRS/Dyskalkulie verfügt. Dadurch bleibt vielen Betroffenen, die nun rechtzeitige Hilfe und auch Verständnis erfahren, erspart, in schwere psychische Abgründe zu sinken, die leider zumeist eine Folge bei nicht erkannten oder ignorierten Betroffenen sind.

Der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie und der Dachverband Legasthenie Deutschland schätzen insbesondere aus diesen Gründen die Berufsgruppe der ErzieherInnen. Der EÖDL bietet auch für ErzieherInnen eine Fort- und Ausbildung zum diplomierten Legasthenietrainer, diese arbeiten auf pädagogisch-didaktischer Basis mit Betroffenen, an.

Ein zentraler Punkt der AFS-Methode ist die Förderung der Motivation

Die AFS-Methode ist das Ergebnis qualitativer und quantitativer empirischer pädagogischer Forschung. Sie ist eine multisensorische Methode, deren Entwicklung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht worden ist. Sie stellt die Individualität des legasthenen Menschen in den Vordergrund und wird der multikausalen Problematik gerecht.

AFS

Sie gehört zu den Methoden, die wissenschaftlich anerkannt und die auch empirisch wirksam sind. In 54 Ländern wird mit dieser Methode legasthenen Menschen seit vielen Jahren erfolgreich geholfen. Die Offenheit der Methode, der akzeptierte Methodenpluralismus und Eklektizismus -l sie verbindet auch Elemente der unterschiedlichen Positionen miteinander, verspricht den Erfolg. Es gibt nicht DIE Legasthenie, deshalb gibt es auch nicht DAS Training. Da jede Legasthenie individuell ist, so muss auch das Training individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt sein. Genau darin liegen die Chancen und auch die Erfolge der AFS-Methode. Die Inhalte der AFS-Methode beruhen auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass eine Verbesserung der Schreib-, Lese- und/oder Rechenfertigkeit eines legasthenen Menschen alleine durch das Üben am Symptom, nicht zielführend ist. Deshalb muss in den Bereichen der Aufmerksamkeit – um der zeitweisen Unaufmerksamkeit beim Schreiben, Lesen und/oder Rechnen entgegenzuwirken – weiters in den Funktionen oder Sinneswahrnehmungen – diese müssen geschärft werden – und im Symptombereich – um den Wahrnehmungsfehlern entgegenzuwirken – eine gezielte Förderung stattfinden. Die Trainingsmethode verbindet spezielle Elemente aus den jeweiligen Bereichen in der Kombination, die nach vorliegendem Testergebnis für das jeweilige Kind die optimale Intervention darstellen. Einen zentralen Punkt nimmt aber die Förderung der Motivation des Betroffenen ein, durch diese enorme und nachhaltige Erfolge erzielt werden können. Auch für geringe Verbesserungen gibt es Lob und Anerkennung. Dem Spezialisten steht eine breite Palette zur Verfügung, diese Motivation zu erreichen, was sich letztendlich sehr positiv bei den Interventionen auswirkt. Die Motivation bewirkt, dass das Schreiben, Lesen und Rechnen nicht mehr als unangenehme Last empfunden wird, sondern bringt die Einsicht die Kulturtechniken als notwenige Tätigkeit zu akzeptieren, aber besser gesagt als notwendiges Übel, denn dies bleibt es wohl, in jedem Falle und auf ewig für den legasthenen/dyskalkulen Menschen.

http://www.afs-methode.com

Verursachen Musiknoten eine zeitweise Unaufmerksamkeit bei mir?

Frage:

 Ich studiere Musik-Bratsche. Mir sagen meine Lehrer nach einem Vorspiel, dass ich sehr gute Momente hatte und kurz danach sehr schlechte, als ob zwei verschiedene Personen spielen würden. Kann das von meinen Aufmerksamkeitsschwankungen kommen?

Antwort:

Ja, zeitweise Aufmerksamkeitsschwankungen sind bei legasthenen Menschen zumeist mit Symbolen verbunden, dazu gehören nicht nur Buchstaben und Zahlen, sondern auch Musiknoten. Am besten Sie versuchen BEWUSST die Gedanken bei der Sache zu halten, wenn Sie spielen und diese sogleich wieder zu dieser zu bringen, wenn Sie merken, dass diese abgleiten. Was hier so einfach klingt, ist in der praktischen Umsetzung nicht einfach. Es erfordert Übung und noch einmal Übung. Betreibt man dies aber nachhaltig, so merkt man bald, dass es besser und immer besser gelingt. Wichtig ist, dass man nicht aufgibt, wenn es nicht gleich funktioniert. Es ist ein ähnlicher Vorgang, wenn man das Schwimmen erlernt. Man muss auch unzählige Male versuchen über Wasser zu bleiben. Ich wünsche Ihnen bei den Versuchen viel Geduld und Ausdauer.

Über die diagnostischen Schwierigkeiten bei einem Verdacht auf Legasthenie und die oft so fatalen Folgen für die Betroffenen

Die hauptsächliche Schwierigkeit der Diagnostik liegt in den verschiedenen Feststellungs- und Interventionsebenen. Tatsächlich ist eine pädagogische immer!!! eine psychologisch/medizinische manchmal notwendig. Dies ist eben von Fall zu Fall verschieden.
Leider gibt es hier gar keine Richtlinien und die Betroffenen sind darauf angewiesen, auf welche Kompetenz sie bei den Pädagogen treffen. Nicht selten wird, auch von Pädagogen der Schluss gezogen, die Kinder schreiben und lesen deshalb schlecht, weil sie psychische Auffälligkeiten zeigen und schon ist der leider oft sehr verhängnisvolle Weg vorgezeichnet.

Dabei verhält sich die Sachlage vielfach genau umgekehrt. Die Kinder bekommen nicht die dringend benötigten pädagogisch-didaktischen Interventionen und zeigen deshalb mit der Zeit Verhaltensauffälligkeiten, weil ihre Toleranzgrenze mit Demütigungen, die von Unwissenden begangen werden, überschritten wurde. Der verhängnisvolle Weg beginnt damit, dass man zu oft gar nicht daran denkt, dem Kind auf pädagogisch-didaktischer Basis zu helfen, sondern sofort Psychologen und Mediziner konsultiert. Zumeist verfügt keiner der beiden Berufsgruppen über genügend pädagogisch-didaktisches Wissen oder über die Kompetenz den Kinder maßgeblich beim Schreiben und Lesen zu helfen. So wird nicht selten das Kind von einer zur anderen Therapie geschleppt, bekommt aber gerade in diesem Bereich keine Hilfe.

Die in Österreich und auch in Deutschland üblichen Feststellungsverfahren führen sich zuweilen schwer ad absurdum, denn nicht selten versucht man z.B. mittels IQ-Tests eine Legasthenie festzustellen. Zahlreiche IQ Tests beruhen aber auf der Testung der Sinneswahrnehmungen. Der Zustand der Sinneswahrnehmungen wird zur Bewertung des IQ herangezogen, was natürlich gerade bei legasthenen Kindern – deren gesamte Problematik ja auf differenten Sinneswahrnehmungen beruht – zu völlig falschen Ergebnissen führt. Auch LRS Testverfahren sind zuweilen nur aussagekräftig bei LRS Kindern, versagen aber bei legasthenen Kinder nicht selten. Denn so manches legasthene Kind hat bei LRS Tests hervorragend abgeschnitten und wurde dadurch als nicht legasthen diagnostiziert. Analysiert man dagegen die schriftlichen Leistungen und Leseleistungen des selben Kindes über einen längeren Zeitraum, so ergibt dies ein völlig anderes Ergebnis, als es der LRS Test brachte. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass legasthene Kinder zeitweise sehr gute Leistungen sogar beim Schreiben und Lesen erbringen können.

Zum Glück geht der Trend aber in die Richtung, dass informierte Eltern immer öfter auch auf eine pädagogische Feststellung durch pädagogisch-didaktisch versierten Spezialisten bestehen. Für viele Kinder kommt dieser Trend jedoch zu spät…